Große Familien Oberschlesiens: Ballestrem, Donnersmarck, Tiele-Winkler und Renard

Veröffentlichungsdatum: 14 / 11 / 2010

Zu den imposantesten Residenzen Oberschlesiens gehörte das Schloss des Grafen Guido Henckel von Donnersmarck in Neudeck (heute Świerklaniec, siehe das Archivfoto), errichtet vom berühmten französischen Architekten Hektor Leufel. Aus den Beschreibungen in der vorkrieglichen Presse weiss man, dass in dem Roten Saal Werke von Murillo, Cranach, Eugène Carrière und ein Bildnis von Lessing gemalt von Anton Graff bewundert werden konnten. Im Salon hingen Bilder mit Jagdszenen und im Kabinett wurde due Ahnengalerie dargestellt (die Donnersmarck wurden vom bekannten Maler Franz von Lenbach porträtiert). Der Bau, auch oft „Kleines Versailles” genannt, wurde in den 1960er Jahren abgetragen. Es lohnt sich aber, einen Spaziergang durch den Schlosspark zu unternehmen (Eintritt frei). Erhalten sind vier Wasserbecken mit gusseisernen Skulpturengruppen, kämpfende Tiere darstellend, hergestellt in Paris vom bekannten französischen Künstler Emmanuel Frémiet. Der Hauptbecken wurde nach dem Vorbild der Fontäne im Jardin du Luxembourg. Früher verzierten auch Löwenfiguren aus der Gleiwitzer Werkstatt von Theodor Kalide den Park. Fragmente der alten Parkanlage und ein kleines Kavaliershaus geben Vorstellung über ehemaliger Pracht der Residenz der Donnersmarck.

Der nächste Bau auf der Route ist das sehr gut erhaltene, am Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Schloss in Plawnowitz (Pławniowice), gehörend zu dem berühmten Geschlecht derer von Ballestrem (Informationen über die Besichtigungsmöglichkeiten unter palac.plawniowice.pl). Im Jahre 1905 kam, auf die Einladung von Franz Graf von Ballestrem, der bekannte Berliner Bildhauer Josef Limburg in die neuerbaute Residenz und führte zahlreiche Aufträge der Familie aus (u. a. die Figur von Giovanni Battista Ballestrero di Castellengo – dem Begründer der schlesischen Linie des Geschlechtes sowie Bildnisse anderer Familienmitglieder). Limburg war auch Schöpfer der in Plawnowitz ausgestellten Ölgemälde und Aquarelle.

Die Räume wurden durch zahlreiche Bildnisse der Familienmitglieder sowie Ölgemälde bekannter Künstler wie Anton Möller („Ein Junge mit Stieglitz” von 1586 - siehe die Abbildung), Carl Borromäus Ruthart und Jan van Huysum. Bilder und Kunstgewerbeobjekte aus Plawnowitz können heute im Museum in Gleiwitz besichtigt werden (Informationen über Öffnungszeiten http://www.muzeum.gliwice.pl/).

Im benachbarten Groß Strehlitz (Strzelce Opolskie) sind Überreste einer Burg aus dem 16. Jahrhundert, die von dem 19. jahrhundert zu den Grafen von Renard gehörte. Die Zierde der Gemäldegalerie war das Bild von Guercino „Venus, Mars und Amor” (siehe die Abbildung), das wahrscheinlich auf die Initiative Gustav Graf Collona, zu dem die Residenz im 17. Jahrhundert gehörte, in die Burg gebracht wurde. Dank den Verzeichnissen von Hans Lutsch in seiner monumentaler Veröffentlichung aus dem Ende des 19. Jahrhunderts „Verzeichniss der Künstdenkmäler der Provinz Schlesien” wissen wir, was die Ausstattung der Burg ausmachte. Es waren wertvolle Möbel (z. B. Schrank mit Intarsie von

1578 mit norddeutschen Motiven) und zahlreiche Kunstgewerbegegenstände (Glas, Porzellan, Silber, Elfenbein) sowie Bildnisse der Familienmitglieder. Lutsch erwähnt auch die Genreszenen, gemalt von holländischen Meistern.

Zu den interessantesten oberschlesischen Residenzen gehört ohne Zweifel das Schloss in Moschen (Moszna), errichtet von den Grafen von Tiele-Winkler (für Besichtigung zugänglich, Informationen: moszna-zamek.pl). Die Innenräume dieser imposanten Residenz wurden prunkvoll ausgestattet. Die Besitzer kauften u. a. einen Bilderzyklus mit mythologischen Szenen von Gaetano Zompinii, der früher ein Palais der venezianischer Patrizier verzierte. Ein großer Zyklus der großformatigen Gobelins mit der alttestamentarischen Geschichte von Jakob, errichtet nach Kartons von Bernard van Orley gehörte zu der bekannten Familie Malvezzi-Campeggi aus Bologna und war Zierde des dortigen Palais. Er passte nicht in einen einzigen Saal in Moschen. Ein Teil der Gobelins begrüßte die Gäste in der geräumigen Flur, der Rest verzierte andere Räume, darunter das representative Herrenzimmer. Im Schloss konnte natürlich auch die Ahnengalerie nicht fehlen.

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