Hirschberger Tal – das Tal der Schlösser

Veröffentlichungsdatum: 14 / 11 / 2010

Wir schlagen vor, den Ausflug mit dem Schloss in Karpniki (Fischbach, der heruntergekommene Bau befindet sich in privaten Händen und kann von außen besichtigt werden) zu beginnen. Das Schloss wurde durch Friedrich August Stüler für Prinz Wilhelm von Hohenzollern in der Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet. Dank einer Serie der Aquarelle mit den Darstellungen des Schlossinneres kurz nach dessen Umbau können wir uns in der Zeit versetzen und virtuell Zimmer für Zimmer besichtigen. In dem blauen Salon wurde ein großformatiges Gemälde von Hummel „Abendgebet böhmischer Bauern bei Teplitz” präsentiert und in die Fenster wurden alte Glasmalereien aus der großen Sammlung des Prinzen eingesetzt. Die Glasmalereien waren auch in anderen Sälen zu sehen, z. B. in dem Roten Salon. Auf anderen Aquarellen sieht man zahlreiche Leinwandmalereien (hauptsächlich Bildnisse und Landschaftsbilder) sowie Skulpturen und Porzellan, die die prunkvoll ausgestatteten Innenräume verzierten.

Das nahe Bukowiec (Buchwald) gehörte von 1785 an zu Friedrich Wilhelm von Reden, dem späteren Bergwerksminister in der preußischen Regierung und Direktor der Königlichen Porzellan-Manufaktur in Berlin. Heute befindet sich im Schloss der Sitz des Verbandes der Riesengebirgsgemeinden (Kontakt zgk-karkonosze.pl). Den von Reden ausgeübten Funktionen gemäß waren die Innenräume der Residenz mit zahlreichen Erzeugnissen der KPM und Eisengussobjekten aus der von ihm verwalteten Hütte in Gleiwitz verziert. Im Schloss konnte man auch Bildnisse der Familienmitglieder bewundern. Nach dem Tod des Grafen 1815 wurde die Sammlung durch seine Frau Friederike von Reden ergänzt. Neben dem Schloss ist in Buchwald auch der geräumige, im Auftrag von Redens durch Hans Carl Walther entworfene Park sehenswert. Schöne Ausblicke auf die Umgebung hat man aus den zuletzt restaurierten Parkbauten – dem Teehaus und dem Wartturm.

Aus Buchwald fahren wir nach Mysłakowice (Erdmannsdorf). Das Schloss kaufte der preußische König Friedrich Wilhelm III. 1832 mit dem Ziel, dort seinen Sommersitz zu gestalten (heute beherbergt das Schloss eine Schule, siehe myslakowice.edu.pl). In das Schloss und benachbarte Bauten gelangten Werke aus den königlichen Sammlungen, darunter das Bild „Gartenterrasse” von Caspar David Friedrich, welches man von 1843 an in der nahegelegenen Villa Liegnitz sehen konnte. Das Schloss Erdmannsdorf wurde damals mit einem Landschaftspark – dem Werk des geschätzten Gartenarchitekten Peter Joseph Lenne - umgeben. Auf die Initiative des nachfolgenden Herrschers, Friedrich Wilhelma IV., wurde das Schloss mach den Entwürfen von Friedrich August Stüler umgebaut. Die Innenräume der Residenz wurden damals mit den Darstellungen mit den Wappen schlesischer Städte aus der Werkstatt von Heinrich Müller verziert.

Der nächste Halt ist das früher zu den Prinzen von Reuss gehörende Schloss in Stonsdorf (Staniszów), das heute ein Hotel beherbergt (palacstaniszow.pl). In das in den 1780er Jahren umgebaute Schloss gelangte als Erbschaft aus Niederlanden eine große Sammlung von Bildern alter holländischer und deutscher Meister. Darunter befanden sich an Hans Holbein und Jan von Eyck zugeschriebe Werke. Mit dem letzten Künstler wurde ein großformatiges Triptychon mit der Darstellung von Kreuztragung im zentralen Feld und von Hirtenanbetung und Geburt Christi auf den Flügeln. Er war von vielen Besuchern des Stonsdorfer Schlosses bewundert und Johann Gottlieb Büsching widmete ihm einen speziellen Beitrag. Sehenswer ist also der Schlosspark, einer der ersten Entwürfe von Peter Joseph Lenne in Schlesien.

Das letzte Schloss auf der Route ist die Residenz derer von Schaffgotsch in Bad Warmbrunn (Cieplice Śląskie, heute gehört sie zur Breslauer Technischen Hochschule). Sie beherbergte eine der größten Porträtsgalerien in Schlesien (über 180 Bilder), die aus den Bildnisses der Familie Schaffgotsch, ihrer Ahnen, Mitglieder der verwandten Familien und gekrönter Häupter Europas. Im Schloss und in der benachbarten Bibliothek wurde auch eine große grapgische Sammlung aufbewahrt (nach dem Zweiten Weltkrieg gelangte sie in die Nationalbibliothek in Warschau) sowie eine numismatische und Siegelkundensammlung. Schaffgotsch trugen auch alte Waffen und manche aus diesen Objekten befinden sich im Nationalmuseum in Posen (Poznan) (z. B. osmanische Sattel, Schild und Hiebwaffe).

Zum Schluss schlagen wir einen Besuch im Museum in Hirschberg vor (Informationen über Öffnungszeiten: muzeumkarkonoskie.pl) und empfehlen das Kennenlernen der imposanten Sammlung von Gemälden auf Glas, die von Erich Wiese zusammengetragen worden war.

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