Im Kreis der Gebrüder Hauptmann – Agnetendorf und Schreiberhau

Veröffentlichungsdatum: 14 / 11 / 2010

Als Schreiberhau (Szklarska Poręba) am Ende des 19. Jahrhunderts als Künstlerkolonie an Popularität zu gewinnen begann, beschlossen die Gebrüder Carl und Gerhard Hauptmann, sich dort anzusiedeln. Im Jahr 1890 kauften sie ein Haus, das heute ein nach ihnen benanntes Museum beherbergt (Informationen über die Besichtigungsmöglichkeiten unter domhauptmannow.pl). In den mit Möbeln und anderen Gegenständen aus dem beginnenden 20. Jahrhundert ausgestatteten Innenräumen befindet sich eine Ausstellung, die den beiden Brüdern, die zugleich Kunstliebhaber waren, gewidmet ist. Gerhard zog 1895 nach Agnetendorf, Carl dagegen wohnte in Schreiberhau bis zu seinem Tode im Jahr 1921. In dem ihm gehörenden Haus konnte man u. a. Bilder von dem mit Hauptmanns verwandten Maler Otto Mueller und ein Gobelin von Wanda Bibrowicz bewundern. Es befanden sich dort wohl auch Landschaftsbilder der in Schreiberhau tätigen Künstler, ähnlich denjenigen, die wir heute in den Museumsräumen sehen können.

Wahrscheinlich die langjährige Freundschaft mit den Gebrüdern Hauptmann beeinflusste die Entscheidung der beiden Schriftsteller Johannes Guthmann und Joachim Zimmermann über die Niederlassung in Schreiberhau im Jahr 1921. Sie bezogen eine malerisch gelegene Villa am Oberweg (heute ulica Górna 4, die Villa trägt den Namen „Zakręt” („Kurve“) und beherbergt ein Erholungsheim), die der Mutter Zimmermanns gehörte. Die von den ihnen zusammengetragene Sammlung gehörte zu den wichtigsten in der Region, was begeisterte Artikel aus der lokalen Presse bezeugen. Eine große Sammlung antiker Objekte wurde im Musikzimmer präsentiert. Man konnte dort u. a. den Kopf des Alexander des Großen aus dem 2. Jahrhundert (heute im Nationalmuseum in Warschau) und zahlreiche römische und etruskische Statuen, Tanagra-Figuren sowie Keramik bewundern. An den Wänden hingen zahlreiche Werke der Impressionisten und Postimpressionisten (darunter die Gemälde eines solchen Künstler wie Vincent van Gogh) und eine große Gruppe der Bilder deutscher Maler (Anselm Feuerbach, Hans Thoma, Fritz von Uhde, Wilhelm Leibl, Wilhelm Trübner und Max Liebermann). Zu den häufigen Gästen bei den Schriftstellern gehörten Hans Purrmann und Max Slevogt. Eine Spur ihrer Besuche waren die Innenausmalung der Villa und ein Gemälde mit der Darstellung des Rübezahls, mit dem Slevogt den Teepavillon im Garten dekorierte. Nicht weit davon wurde eine Skulptur „Die Badende“ von Georg Kolbe aufgestellt. Einen wichtigen Teil der Kunstsammlung bildeten auch Zeichnungen und Graphiken solcher Künstler wie Max Liebermann, Hans von Marées und Ludwig von Hoffmann.

Als letzten Punkt der Ausflugsroute schlagen wir den Besuch in der Villa „Wiesenstein” in Agnetendorf (Jagniątków), früher zu Gerhart Hauptmann gehörend, vor. Heute beherbergt sie ein dem Nobelpreisträger gewidmetes Museum (Informationen über Besichtigungsmöglichkeiten www.muzeum-dgh.pl). Zur Besichtigung wurden das Arbeitszimmer, die Bibliothek, der Kaminsaal, das Speisezimmer und die Halle, auch „Paradieshalle“ wegen der Ausmalung von Johannes Maximilian Avenarius genannt (Fot. Zbigniew Kulik), zugänglich gemacht. Die Villa Hauptmann beherbergte bis 1946 eine imposante Kunstsammlung, die ca. 1000 Objekte zählte. Die Sammlung der antiken Münzen wurde früher in der Bibliothek präsentiert. In der Halle stellte man mittelalterliche Skulpturen aus. In anderen Räumen konnte man Bilder Otto Muellers, Louis Corinths, Ludwig von Hoffmanns und anderen, oft mit dem Schriftsteller befreundeten, Künstlern sehen. Zahlreich darunter waren die Bildnisse von Gerhard Hauptmann und seiner Frau Margarete. Unter den Skulpturen befanden sich Werke von August Gaul und Emil Orlik. Unter den vielen Kunstgewerbeobjekten aus der Villa in Agnetendorf sind wertvolle Glasmalereien und Figuren aus dem Fernen Osten besonders hervorzuheben. Hauptmann trug auch eine große Sammlung der alten (Dürer, Altdorfer, Ostade, Callot) und der zeitgenössischen Graphik zusammen.

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