Nördlich von Breslau

Veröffentlichungsdatum: 14 / 11 / 2010

Wir schlagen vor, den Ausflug mit dem Schloss in Brzegu Dolnym (Dyhrenfuhrt), heute Sitz des städtischen Kulturzentrums und des Stadtamtes, zu beginnen. Das Gut kaufte im Jahre 1767 Graf Karl Georg von Hoym, der damalige Minister von Schlesien. Mit dem Umbau des bestehenden Schlosses beauftragte er den berühmten Architekten Karl Gotthard Langhans. Das malerisch am Ufer der Oder gelegene Schloss barg eine Gemäldegalerie, die sich aus zahlreichen Landschafts- und Porträtbildern, darunter aus den aus Frankreich importierten Werken von Jean-Marc Nattier, die den großen Saal im Erdgeschoss des Gebäudes verzierten, zusammensetzte. In den Innenräumen hingen auch Gemälde von Franz Xaver Winterhalter. Im Schloss befand sich auch eine Sammlung von alten Instrumenten. Von der Pracht der ehemaligen Residenz der Familie Hoym zeugt heute noch die große, von Langhans entworfene Parkanlage (Eintritt frei, Auskunft und Plan unter www.park.brzegdolny.pl/mapa.htm) mit der Ruine des Familienmausoleums.

Der nächste Halt ist der Palast in Bagno (Heinzendorf) (heute Geistliches Seminar der Salvatorianer, Informationen über Besichtigungsmöglichkeiten unter http://seminarium.salwatorianie.pl), der 1905 von dem bekannten Breslauer Braumeister und Liebhaber der bildenden Künste Georg Kissling gekauft wurde. In den nachfolgenden Jahren wurde ein zusätzlicher Flügel gebaut und 1912 konnte die ganze Familie den vergrößerten Palast beziehen. Die Residenz wurde damals mit Bildern von unter anderem Max Liebermann, Alessandro Battaglia und Franz Skarbina geschmückt. Bei der Ausschmückung des Palastes wurden auch alte Glasfenster einbezogen; zwei sind in dem ehemaligen Ballsaal (heute als Kapelle benutzt) erhalten geblieben. In vielen Innenräumen ist noch die Innenausstattung aus der Zeit Kisslings zu sehen (Säulen aus carrarischem Marmor, Stuckarbeiten, Leinentapeten, Holztäfelungen).

Nicht weit von Bagno liegt ein kleiner Ort Głębowice (Glumbowitz), in dem sich die Ruine des Schlosses der Familie Pourtalès befindet. Der königliche Rat Carl von Pourtalès kaufte das Gut in Glumbowitz im Jahre 1824. Um die Wende des 19. und des 20. Jahrhunderts wurden die Innenräume des Schlosses auf die Initiative von Friedrich von Pourtalès mit Kunstwerken geschmückt, die er von seinem Vater Wilhelm geerbt hatte. Es war eine Sammlung von Skulpturen der Renaissance aus Italien (darunter Arbeiten von Jacopo Sansovino, Giovanni da Pisa und Andrea Riccio) und Spanien (z. B. eine Figur des Hl. Hieronimus aus der Werkstatt von Bartolomé Ordóñez) sowie die Bilder alter Meister. Eine Zierde der Sammlung waren die bronzenen Figuren von Mars und Neptun aus dem Palazzo Rezzonico in Venedig. Früher war das Schloss von einem großen Garten umgeben, an den heute nur ein zerstörtes Gebäude der Orangerie erinnert.

Der letzte Halt ist das Schloss in Miliczu (Militsch), gebaut am Ende des 18. Jahrhunderts im Auftrag von Joachim von Maltzan durch Karl Geissler (heute befindet sich dort eine Forstschule. In Militsch wurde eine der größten Kunstsammlungen in Schlesien aufbewahrt. Es ist bekannt, dass schon Joachim IV Maltzan, geboren 1593, eine Graphiksammlung besaß. Die durch die nachfolgenden Generationen bereicherten Bestände von Stichen, Zeichnungen und Miniaturbilder gehörten zu den größten Sammlungen dieser Art in Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg. Das Schloss befand sich ebenfalls eine große Gemäldegalerie, in der zahlreiche Bilder Johann Georg Platzers und Meisterwerke Willmanns (darunter das bekannte „Orpheus, vor den Tieren spielend”) vorhanden waren. Die Maltzans sammelten auch Gobelins (sie wurden in dem sog. Renaissancesalon mit dem marmornen Portal präsentiert), antike Uhren und Streichinstrumente. Vor der Schlossfassade sind Skulpturen von Pferden, eine Kopie der römischen Statue des ruhenden Faustkämpfers (das Original im Palazzo Massimo in Rom) und ein Brunnen erhalten geblieben.

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