Von Sagan nach Friedersdorf

Veröffentlichungsdatum: 25 / 11 / 2010

Wir beginnen den Ausflug mit dem Besuch des ehemaligen Schlosses des Geschlechts Biron in Sagan (Żagań, Informationen über die Besichtigungsmöglichkeiten: http://pkis.um.zagan.pl/). Es beherbergte eine der wichtigsten Kunstgalerien in Schlesien, welche dorthin am Ende des 18. Jahrhunderts gelangte.

Damals wurde das Herzogtum Sagan vom Herzog von Kurland, Peter von Biron (1724-1800), gekauft. Die von ihm sorgfältig zusammengetragene Sammlung bestand aus über 560 Bildern. Zu den wertvollsten Ausstellungsstücken gehörten Werke von Rembrandt, Goltzius, Hobbema und anderen niederländischen Meistern. Zahlreich in der Saganer Residenz waren Bildnisse von gekrönten Häuptern, was die Verbindungen der Biron mit großen europäischen Geschlechtern unterstrich. In der Sammlung befanden sich viele Porträts, die im Auftrag von Birons entstanden (z. B. Bilder von Josef Grassi, Angelika Kaufmann, Anton Graff) und Landschaften, angefertigt von zeitgenössischen Künstlern (Ansichten von Rom von Philippe Hackert). Im 19. Jahrhundert wurde die Sammlung um eine Kollektion der Skulpturen und Gipsabgüsse bereichert. Heute kann man in Sagan keine Kunstwerke mehr bewundern, aber das Schloss ist nach wie vor ein Zeugnis der ehemaligen Rolle derer von Biron. Nach seiner Besichtigung empfehlen wir den Besuch im Schlosspark.

Die Route führt weiter über Primkenau (Przemków), wo sich ehemals ein für die Herzöge von Schleswig-Holstein am Ende des 19. Jahrhunderts errichtetes Schloss befand (das Schloss wurde nach dem Zweiten Weltkrieg abgebaut, erhalten ist ein Teil der Wirtschaftsgebäude und der Park). Die Archivfotos dokumentieren die Pracht, mit der die mit antiken Möbeln und Kunstwerken ausgefüllten Innenräume ausgestattet wurden. Erwähnenswert sind auch wertvolle Gobelins und altes Porzellan. Die Stilisierung der historisierenden Räume war unterschiedlich (z. B. das sog. Kaiserkabinett war im orientalischen Stil eingerichtet). Im Schloss befanden sich zahlreiche Porträts (unter anderen von Anton Graff) sowie Gemälde alter Meister, darunter auch Selbstbildnis von Anton van Dyck.

Der nächste Halt ist die Burg Gröditzberg (Grodziec; Informationen über Besichtigungsmöglichkeiten unter www.grodziec.com). Im Jahre 1823 wurde die Burg von Wilhelm Christian von Benecke aus Gröditzberg gekauft. Sechs Jahre später kaufte er eine riesige Sammlung von Glasgemälden (156 Stücke), die früher zu dem bekannten Schweizer Dichter Johann Martin Usteri gehörte. Dieser Bestand, bestehend hauptsächlich aus mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Glasgemälden, wird heute als eine der wichtigsten europäischen Sammlungen seiner Art betrachtet. Nach dem Kauf der Sammlung nutzte Benecke einen Teil der Glasgemälde als Ausstattung der Burg und setzte sie in die Fenster ein. Einige Glasmalereien wurden als Ausstattung der nahegelegenen Kirche Maria Geburt benutzt – zwei von ihnen (aus dem 17. Jahrhundert) können immer noch in den Chorfestern bewundert werden. Sie sind einzige Überreste dieser einzigartigen Sammlung, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Schlesien verlassen hat.

Im Zentrum von Löwenberg (Lwówek Śląski) steht ein Schloss, das früher zum Geschlecht von Hohenzollern-Hechingen gehörte (heute beherbergt es das Stadt- und Gemeindeamt). Die Residenz ist für Konzerte bekannt, bei denen so berühmte Musiker wie Ferenc List, Hector Berlioz und Richard Wagner auf die Einladung der Familie auftraten. Man muss aber auch an die Hunderte von herausragenden Kunstwerken, die die Residenz schmückten, denken (die Kataloge nennen mehr als 400 Exponate). Darunter befanden sich Werke von Rembrandt, Jan van Goyen und Emanuel de Witte. Die Sammlung gelangte dort aus Sagan nach der Ehe von Pauline (1782-1845), der zweiten Tochter Peter von Birons, mit dem Fürsten Friedrich Hermann von Hohenzollern-Hechingen.

Die letzten zu empfehlenden Orte der Route sind das ehemalige Schloss in Friedersdorf (Biedrzychowice, jetzt Berufsfachschulen zsp.biedrzychowice.pl) und die Burg Neidburg (Rajsko, im Ruinezustand). In den beiden Orten konnte man eine interessante, von Alexander von Minutoli zusammengetragene Sammlung bewundern. Sie bestand aus zahlreichen Bildern alter Meister, von denen manche heute in der Berliner Gemäldegalerie oder im Wiener Kunsthistorischem Museum gesehen werden können. Eine grosse Attraktion waren ägyptische Exponate, darunter Mumien, Papyrus und Glasschmuck (manche können heute im Nationalmuseum in Warschau gesehen werden). Während seiner Reisen in Schlesien kaufte Minutoli oft Kunstwerke, die aus ihren ursprünglichen Aufbewahrungsorten, beispielsweise wegen Modernisierungsarbeiten, beseitigt wurden. Es befanden sich darunter u. a. ein Flügelaltar aus der St. Petrus und Paulus Kirche in Liegnitz und zahlreiche Architekturplastiken (ein Teil wurde in das Sockelgeschloss des Schlosses in Friedersdorf eingemauert, wo sie sich bis heute befinden).

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