Goldschmidt Thea, , 1888-1944 / Goldschmidt Fritz,  1871-1944 - Breslau

Thea und Fritz Goldschmidt

 
Thea Goldschmidt (1888-1944), Fritz Goldschmidt (1871-1944)
Sammlungsgründer:

Fritz Goldschmidt war ein reicher Breslauer Unternehmer. 1898 gründete er mit Meyer Koppenheim eine Firma „Koppenheim & Goldschmidt”, deren Geschäftsschwerpunkt Handel mit Getreide und Getreideprodukten war. Dank dem erfolgreichen Unternehmen haben sie viele renommierte Immobilien erworben, zu denen das Haus „Zur Blauen Sonne” am Breslauer Ring sowie die Häuser am Tauentzienplatz gehörten. Fritz Goldschmidt übte ebenfalls öffentliche Ämter aus, er hatte z. B. das Rechtsanwaltsamt für Handelsrecht im Landesgericht inne. 1910 heiratete er Thea Cohn, die aus einer Juristenfamilie von Beuthen O.S. stammte. Das Ehepaar war am Leben der Stadt beteiligt, der Händler sicherte eine finanzielle Unterstützung für die Errichtung eines jüdischen Krankenhauses, welches durch die mit der Familie verwandten Brüder Paul und Richard Ehrlich entworfen wurde, seine Ehegattin organisierte Benefizveranstaltungen für die Schule von Paula Ollendorf. Fritz Goldschmidt war auch, zusammen mit anderen für die Stadt offenkundig verdienten Sammlern, wie Leo Lewin, Felix Perle, Max Pinkus, Max Silberberg, Leo Smoschewer und Paul Schöttlander, Gründer des Jüdischen Museums in Breslau.

Sammlungslebensdauer in Schlesien: - 1943?
Eigenschaften:

Thea Goldschmidt war Kunstliebhaberin und mit Unterstützung von der Seite ihres Ehemanns gestaltete sie in der Villa im Kommendeweg eine beeindruckende Sammlung von Kunstwerken. Zu den Lieblingskünstlern des Ehepaars gehörte Max Liebermann, gewürdigt auch als Maler jüdischer Herkunft, der in Deutschland großen Erfolg erzielt hat. In der Villa der Goldschmidts befanden sich mindestens vier Gemälde auf Leinwand von diesem Künstler, unter denen auch einer von seinen Selbstporträts sowie seine Zeichnungen und Grafiken. Die Sammlung bestand auch aus Gemälden von den Lieblingsmalern anderer Breslauer Sammler, wie von Max Slevogt, Lovis Corinth, Wilhelm Trübner, Hans Purmann sowie aus Skulpturen von August Gaul. In der Villa wurden auch Werke von französischen Künstlern, wie Lucien Andrion, Maurice de Vlamick, Eduard Vuillard und Maximilien Luce ausgestellt. Zum Besitz der Familie Goldschmidt gehörte auch eine Sammlung von Zeichnungen und Grafiken (u. a. die bereits genannten Werke von Liebermann sowie von Ernst Barlach, Lesser Ury, Käthe Kollwitz). Zahlreiche Werke wurden durch die Goldschmidts im Berliner Kunstsalon Paul Cassirer erworben. Das Ehepaar hat die Werke von ihrem Besitz für Ausstellungen ausgeliehen, z. B. für eine Ausstellung, die 1920 durch den Künstlerbund Schlesien veranstaltet wurde.

Als die Nationalsozialisten die Macht ergriffen haben, waren die Goldschmidts gezwungen, die Kunstwerke von ihrem Besitz zu Geld zu machen (z. B. im Juni 1936 wurden neun Skulpturen von der Serie „Kleiner Tierpark” von Gaul im Berliner Salon Paul Graupe versteigert). Ende der 1930er und Anfang der 1940er Jahre waren die Sammler gezwungen, ihre geräumige Villa zu verlassen und in einen bedeutend schlichteren Wohnraum am Tauentzienplatz einzuziehen. Ihr ganzes Eigentum, darunter auch Kunstwerke, wurden beschlagnahmt, das Ehepaar Goldschmidt wurde ins Konzentrationslager Auschwitz verschickt und dort hingerichtet.

Kategorien der Kunstwerke in der Sammlung: Malerei (5)
Bibliographie:

Ernst G. Lowenthal, Bewährung im Untergang: Ein Gedenkbuch, Stuttgart 1965, S. 187

Lokalisierung: Breslau (Wrocław) - Kommendeweg 3-5 (ul. Oficerska)
Beitragsverfasser:
  • Magdalena Palica
Veröffentlichungsdatum: 29 / 01 / 2014
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