Emil Kaim (1872-1951)
Biographie:

Emil Kaim wurde 1872 in Breslau geboren. Erfolgreich führte er ab 1910 die vom Vater übernommene Holzfirma Kaim & Schlesinger weiter. Die Gewinne ermöglichten ihm und seiner Frau Sophie ein finanziell gut situiertes Leben. In ihrer kurz vor dem ersten Weltkrieg errichteten Villa in der Kleinburgstraße führten sie ein gastfreundliches Haus. Viele Breslauer Industrielle, Hochschullehrer und Künstler waren dort zu Gast.

Das Ehepaar Kaim war auf sozialem und kulturellem Gebiet aktiv. Sie unterstützten junge Künstler wie den Dirigenten und Komponisten Edmund Nick, den Schlesischen Museums-Verein und Einrichtungen der jüdischen Gemeinde Breslau.
1937 musste Emil Kaim als Jude seine Firma liquidieren. Zwei Jahre später wurde er gezwungen, die Villa zu räumen und in eine kleinere Wohnung in der Kurfürstenstraße zu ziehen. Im Oktober 1941 wurde Familie Kaim schließlich befohlen, diese Wohnung innnerhalb von wenigen Stunden zu verlassen. Mit den letzten Habseligkeiten lebten sie dann in einem Zimmer in einem sogenannten „Judenhaus“ in der Wallstraße 10.
Emil Kaim war ab 1940 Mitglied im Vorstand der Jüdischen Gemeinde. Im Juni 1943 wurde er mit seiner Frau nach Theresienstadt deportiert. Emil und Sophie Kaim überlebten die Judenverfolgung. Sie hatten das Glück, zu den 1200 Juden zu gehören, die im Februar 1945 in die Schweiz gebracht wurden. Diesen Transport hatten die USA, die Schweiz und das Rote Kreuz mit Geldern des „Orthodoxen Rabbinerverbandes in den USA und Kanada“ ermöglicht. Emil Kaim starb 1951 in Zürich.

In Breslau besaß Familie Kaim eine interessante Bibliothek von etwa 1500 Bänden. Sie umfasste neben bellletristischen Werken auch Werke der Kunstgeschichte und Musikliteratur. Ein Exlibris hatte Rose Eisner entworfen, eine Künstlerin, die an der Breslauer Akademie der bildenden Künste studierte.

Sammlungslebensdauer in Schlesien: um 1914 - 1940
Eigenschaften:

Die Gemäldesammlung war nicht auf eine bestimmte Stilrichtung oder Epoche ausgerichtet. Sie schien vorrangig dekorativen Zwecken und der Verschönerung der Villa zu dienen. Vertreten waren deutsche Maler, unter anderem Lovis Corinth, Anselm Feuerbach, Carl Spitzweg und Wilhelm Trübner sowie der in München lebenden Engländer Charles Tooby. Aber auch ein niederländisches Bild des 16. Jahrhunderts gehörte zu der Sammlung.

Die 1940 noch vorhandenen Gemälde der Sammlung Kaim wurden durch die nationalsozialistischen Behörden beschlagnahmt. Einige Bilder gelangten danach in das Schlesische Museum der Bildenden Künste, andere wurden an Privatpersonen verkauft.

Kategorien der Kunstwerke in der Sammlung: Malerei (4)
Bibliographie:

Julius Brann, Breslauer Kunstbesitz, In: „Schlesien” 5 (1911), S. 466-472

Vierte Ausstellung von Werken moderner Meister aus Breslauer Privatbesitz vom 17. April bis 14. Mai, Schlesisches Museum der bildenden Künste, Breslau 1911

Monika Tatzkow, Hans Joachim Hinz, Bürger, Opfer und die historische Gerechtigkeit. Das Schicksal jüdischer Kunstsammler in Breslau, In: „Osteuropa”, 56 (2006)

Lokalisierung: Breslau (Wrocław) - Kleinburgstraße 72 (heute ul. Januszowicka)
Beitragsverfasser:
  • Dr. Hans-Joachim Hinz
Veröffentlichungsdatum: 08 / 12 / 2009
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