Sachs Carl, , 1868-1943 /  ,   - Breslau

Max Oppenheimer, Porträt von Carl Sachs

 
Carl Sachs (1868-1943)
Biographie:

Carl Sachs wurde in einer jüdischen Familie im niederschlesischen Jauer, dem heutigen Jawor geboren. Die Ausbildung und die ersten Arbeitsjahre führten ihn in verschiedene deutsche Städte. Über 9 Jahre war er dann als Reisender für Unternehmen tätig, bevor er 1887 in Breslau die Firma Forell & Co. übernahm, die sich auf die Herstellung und den Verkauf von Kurzwaren spezialisierte. Seit 1907 wohnte Carl Sachs zusammen mit seiner Ehefrau Margarethe in einer Villa in der damaligen Kleinburgstraße. Carls Sachs war ein sehr gebildeter Mann. Er beherrschte mehrere Sprachen. Reisen führten ihn durch fast ganz Europa und bis nach Ägypten. In Breslau engagierte er sich sehr stark auf kulturellem Gebiet. Er gehörte dem Verwaltungsrat der Oper ebenso an wie dem Orchesterverein, dem Kuratorium des Schlesischen Museums der Bildenden Künste und der Gesellschaft der Kunstfreunde. Als Mitbegründer des Vereins Jüdisches Museum e.V. unterstützte er die Pflege der jüdischen Tradition in Breslau. Der Kunstsammler Carl Sachs war über Breslau und Schlesien hinaus bekannt. Die Sammlung wurde in der Literatur mehrfach beschrieben. Im Jahr 1916 wurden im Breslauer Kunstsalon Ernst Arnold Gemälde aus dem Besitz von Carls Sachs präsentiert. Dreizehn Jahre später konnten die Breslauer im Gebäude der Hauptkommandantur Graphikwerke aus der Sammlung von Sachs bewundern. Mit Leihgaben bereicherte Sachs Ausstellungen in Breslau, Berlin, Köln, Zürich und Basel. Als Mäzen trat Carl Sachs hervor, indem er 1932 trotz der großen Wirtschaftskrise dem Schlesischen Museum der Bildenden Künste einen großen Bestand an Graphik und deutschen Zeichnungen stiftete. Viele dieser Arbeiten gingen nach 1945 in den Bestand des Nationalmuseums in Warschau über. Als die Nazis an die Macht gelangten und die Judenverfolgung einsetzte, deponierte Carls Sachs vorausschauend eine Reihe hochwertiger Kunstwerke in Zürich. 1939 emigrierten er selbst mit seiner Frau in die Schweiz. Dabei war er gezwungen, über 60 Gemälde, Zeichnungen und Plastiken in Breslau zurück zulassen. Sie wurden nach der "Verordnung über den Einsatz jüdischen Vermögens" von den Behörden beschlagnahmt. Die Bilder in der Schweiz musste er nach und nach verkaufen, um leben zu können. Carls Sachs starb 1943 in Basel.

Sammlungslebensdauer in Schlesien: um 1900 - 1940
Eigenschaften:

Die Gemäldesammlung umfasste deutsche und französische Künstler. Auch einige niederländische Gemälde des 17. Jahrhunderts waren vertreten, darunter ein Bild von David Teniers d.J.. Zu den deutschen Künstlern gehörten neben Breslauer Malern vor allem Wilhelm Leibl, Wilhelm Trübner, Fritz von Uhde und die Hauptvertreter des deutschen Impressionismus Lovis Corinth, Max Slevogt und Max Liebermann. Sachs kaufte auch Bilder von Hans Purrmann, der Matisse nahe stand. Im französischen Teil der Sammlung waren vor allem Gemälde von Corot, Courbet, Delacroix, Monet, Pissarro, Renoir und Sisley zu bewundern. Sachs besaß eine eindrucksvolle Sammlung von druckgraphischen Werken und Zeichnungen. Ein Teil der Graphik wurde 1931 in Leipzig versteigert. Dazu gehörten Blätter von Whistler, Munch, Toulouse-Lautrec, Goya, Corot, Picasso und Daumier. Viele dieser Arbeiten hatte Sachs in Paris erworben, wo er von L. H. Delteil, einem Spezialisten für moderne Graphik beraten wurde. Bei der Plastik waren ebenfalls vor allem deutsche und französische Künstler vertreten. Zu ihnen gehörten Georg Kolbe und Maillol.

Kategorien der Kunstwerke in der Sammlung: Malerei (16), Grafik (5), Zeichnung (5), Skulptur (2)
Bibliographie:

Arthur Lindner, Die Gemälde-Sammlung Carl Sachs, In: „Kunstchronik“, 9.6.1916, S. 362-364

Margot Rieβ, Breslauer Kunstbrief: Die Bilder der Sammlung Sachs, In: „Kunstwanderer“, 3 (1921/1922), S. 477-478

Karl Scheffler: Breslauer Kunstleben. In: "Kunst und Künstler", Jg. 21 (1923), S.111ff.

Die Sammlung Carl Sachs. Graphik des XIX. Jahrhunderts. Versteigerung durch C.G. Boerner, Leipzig, und Paul Cassirer, Berlin/Leipzig 1931

Erich Wiese, Die Stiftung Carl Sachs für das Schlesische Museum der bildenden Künste in Breslau, In: „Zeitschrift für Kunstgeschichte“, 1 (1932), S. 149-152.

Ewa Frąckowiak, Ryciny autorskie z drugiej połowy XIX wieku i początków XX wieku z kolekcji Carla Sachsa, In: Z dziejów rysunku i grafiki na Śląsku oraz w kolekcjach i zbiorach ze Śląskiem związanych, red. Bogusław Czechowicz, Arkadiusz Dobrzyniecki, Izabela Żak, Wrocław 1999, S. 203-214

Monika Tatzkow, Hans Joachim Hinz, Bürger, Opfer und die historische Gerechtigkeit. Das Schicksal jüdischer Kunstsammler in Breslau, In: „Osteuropa”, 56 (2006), S. 155-171

Lokalisierung: Breslau (Wrocław) - Kleinburgstrasse 18/20 (ul. Januszowicka, budynek nie istnieje)
Beitragsverfasser:
  • Dr. Hans-Joachim Hinz
Veröffentlichungsdatum: 30 / 11 / 2009
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