Leo Smoschewer (1875-1938)
Biographie:

Der Fabrikbesitzer Leo Smoschewer wohnte mit seiner Frau Elise in der Lindenallee 12 in Breslau. Ihm gehörte das 1899 gegründete Unternehmen „Smoschewer & Co.“, in dem Feldbahnen, Lokomotiv- und Walzen produziert wurden. Filialen des Betriebes befanden sich u. a. in Berlin, Danzig und Prag. Auch in Rumänien war „Smoschewer & Co.“ vertreten. Leo Smoschewer selbst war zwischen 1924 und 1938 Rumänischer Generalkonsul in Breslau.

Die Familie Smoschewer war jüdisch und gehörte der Synagogen-Gemeinde Breslau an. Leo Smoschewer arbeitete seit 1927 im Gemeindevorstand. In kultureller Hinsicht engagierte er sich als Vorstandsmitglied der Gesellschaft der Kunstfreunde und als stellvertretender Vorsitzender des Vereins Jüdisches Museum. Zeitweilig war er Mitglied im Kuratorium des Schlesischen Museums der Bildenden Künste.

1920 schenkte er diesem Museum eine Bronzebüste des Dichters Heinrich Heine, die der an der Breslauer Kunstakademie wirkende Theodor von Gosen geschaffen hatte.

Nach 1933 traf die Judenverfolgung auch die Familie Smoschewer. Das Unternehmen wurde 1938 arisiert. Im gleichen Jahr starb Leo Smoschewer. Elise Smoschewer wollte noch emigrieren. Im Mai 1939 hielt sie dem Druck aber nicht mehr stand und nahm sich das Leben.

Die Kunstsammlung mit etwa 75 Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen und graphischen Arbeiten wurde beschlagnahmt. Einige Werke kamen in die Museen in Breslau und Görlitz, andere verkauften die Behörden an Händler und Privatpersonen.

Sammlungslebensdauer in Schlesien: Ende des 19. Jh. - 1940
Eigenschaften:

Die Sammlung Smoschewer umfasste vorrangig Werke wichtiger deutscher zeitgenössischer Maler wie Lovis Corinth, der 1906 Frau Elise Smoschewer porträtierte, Wilhelm Leibl, Max Liebermann, Max Slevogt, Hans Thoma und Wilhelm Trübner. Ebenfalls stark vertreten waren die Arbeiten von Lehrern der Breslauer Akademie der bildenden Künste, unter ihnen Alexander Kanoldt, Konrad von Kardorff, Carlo Mense, Oskar Moll, Hans Purrmann und Max Wislicenius. Zur Kunstsammlung gehörten einige Plastiken von August Gaul, Theodor von Gosen, und Georg Kolbe

Kategorien der Kunstwerke in der Sammlung: Malerei (8), Zeichnung (2)
Bibliographie:

Annerose Klammt, Marius Winzeler, „Die Moderne deutsche Kunst musste zur Geltung gebracht werden“ – Zur Erwerbung von Kunstwerken aus jüdischem Eigentum für die Kunstsammlungen in Görlitz, In: Beiträge öffentlicher Einrichtungen der Bundesrepublik Deutschland zum Umgang mit Kulturgütern aus ehemaligen jüdischen Besitz, hrsg. von Ulf Häder, Magdeburg 2001, S. 119-141

Marius Winzeler, Jüdische Sammler und Mäzene in Breslau – von der Donation zur „Verwertung“ ihres Kunstbesitzes, In: Sammeln. Stiften. Fördern. Jüdische Mäzene in der deutschen Gesellschaft, red. Andrea Baresel-Brand, Peter Müller, Magdeburg 2006, S. 131-150

Lokalisierung: Breslau (Wrocław) - Lindenallee 12 (al. Lipowa)
Beitragsverfasser:
  • Dr. Hans. Joachim Hinz
Veröffentlichungsdatum: 07 / 12 / 2009
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