6000 Kunstwerke - Sammlung Ismar Littmann

Veröffentlichungsdatum: 13 / 12 / 2009

Beitragsverfasser:
  • Magdalena Palica

Ismar Littmann wurde 1878 in Groß-Strehlitz (Strzelce Opolskie) geboren. Im Jahr 1902 erhielt er den Doktortitel im Rechtgebiet, vier Jahre später übersiedelte er nach Breslau, wo er seine eigene Rats-Notarkanzlei, in der Schweidnitzer Straße (heutige Świdnicka-Straße) eröffnete. Höchstwahrscheinlich kam die Littmanns Sammelnsleidenschaft, etwa fünfzehn Jahre nach seiner Ankunft in Breslau zutage.

Das eindrucksvolle Inventar der Graphikwerke, deren Anzahl über 5800 erreichte, wurde von dem Sammler eigenhändig niedergeschrieben. Die Stiche wurden chronologisch verzeichnet, nach der Erwerbungsreihenfolge durch Littmann. Das andere, von den bis heute erhaltenen Verzeichnissen, beinhaltet Gemälde und Aquarellen, die 1930 durch den Breslauer Kunsthistoriker Bernhard Stephan katalogisiert wurden. Viele von den Werken, im Littmanns Besitz, kaufte er persönlich von den Künstlern ab. Es handelt sich vor allem um die Künstler, die mit der Breslauer Kunstakademie verbunden waren, sowohl um die Professoren (Otto Mueller, Alexander Kanoldt, Karl Mense), als auch um die Schüler (z. B. Isidor Aschheim). Viele von denen waren Gäste in der geräumigen Wohnung der Familie Littmann, die sich in einem Haus in der Eichbornstraße (heutige Ksawery Drucki-Lubecki Straße) befand. Unter denen ist Mueller, zu nennen, von dem der Akt einer der Töchter Littmanns – Eva, gemalt wurde. Die Kontakte Littmanns schränkten sich doch nicht aufs Breslauer Milieu ein. Er stand im Briefwechsel mit vielen Künstlern, z. B. mit Corinth und seiner Ehefrau Charlotte, mit Käthe Kollwitz und Max Liebermann. Bei Emil Nolde kaufte er persönlich, den „Buchsbaumgarten” ein.

In der großen Sammlung Littmanns, gab es 600 Lovis Corinth, darunter 13 Gemälde. Im Hinblick auf die Anzahl der Kunstwerke, aus dem Besitz Littmans, nahmen die jüdischen Künstler, mit der Breslauer Kunstakademie verbunden, wie Heinrich Tischler und Isidor Aschheim, die zweite Stelle ein. Littmann gehörte zu den Liebhabern der Künstler, die der bekannten Gruppe „die Brücke“ angehörig waren. Dazu gehörten Max Pechstein und mit dem Sammler befreundeter Otto Mueller.Wesentlichen Sammlungsteil nahmen die Werke von Expressionisten, darunter von Max Beckmann, Oskar Kokoschka, Ernst Barlach und Paul Klee ein. Eine andere künstlerische Richtung dieser Zeit, deren Vertreter sich in der Sammlung Littmanns befanden, war die sog. Neue Sachlichkeit. Deren Vertreter waren Karl Hofer, Alexander Kanoldt, Carlo Mense, Otto Dix und Georg Grosz. Unzahlreicher waren in der Sammlung von Littmann, die Werke französischer Künstler vertreten, es befanden sich doch unter ihnen auch Vertreter des Realismus (Henri Fantin-Latour Édouard Manet), des Impressionismus (Auguste Renoir, Paul Cézanne) und des Fauvismus (André Derain, Maurice Vlamick, Henri Matisse, Raoul Dufy). In der Sammlung Littmanns konnten auch Werke der bekanntesten Kubisten, wie Pablo Picasso i Juan Gris, nicht fehlen. Vom Letzteren besaß der Breslauer Sammler zwei Stilllebengemälde. Seit dem Ende der zwanziger Jahre des 20. Jh., war doch des Sammlers Ehrgeiz, damit die Sammlung, vorher nur seine Wohnung und Kanzlei verzierend, auch für breiteres Publikum vorhanden würde. 1929 hat Littmann zahlreiche Werke aus seiner Privatsammlung, zur Ausstellung der zeitgenössischen Kunst, veranstaltet durch das Schlesische Museum der Bildenden Künste, verliehen. Er begann damals auch zu suchen, nach einem richtigen Expositionsraum, wo die Kunstwerke aus seiner Sammlung, der Breslauer Öffentlichkeit, ständig präsentiert werden könnten. Die ersten Schritte wurden im Frühling 1930 unternommen, wo über fünfzig Gemälde, ausschließlich aus der Sammlung Littmanns stammend, wurden in die durch Hans Griesbach entworfene Alfred und Toni Neisser, überführt. Bei dieser Exposition, konnten zeitgenössische Breslauer, die Werke bekannter Künstler, wie Maurice Utrillo, Juan Gris, bzw. Robert Delaunay, bewundern. Die Kunstwerke, aus der Sammlung Littmanns, erschienen in den Innensälen der Villa Neisser, im Jahr 1933; der Öffentlichkeit standen damals, vor allem zahlreiche Werke Otto Muellers zur Schau.

Die Finanzkrise der dreißiger Jahre, befiel auch Littmann. Der Sammler befragte schon 1931, den befreundeten Direktor der Berliner Nationalgalerie, Ludwig Justi, bezüglich des Verkaufs der Werke von Käthe Kollwitz und Lovis Corinth. Im März des folgenden Jahres, beschloss der Sammler, über 200 Werke auf Papier, bei Paul Graupe in Berlin versilbern zu lassen. Im November desselben Jahres, entschied sich der Sammler, weitere Kunstwerke zu verkaufen. Die Auktion wurde durch das Breslauer Auktionshaus Kunstkabinett veranstaltet.

Der ökonomische Untergang verhinderte Littmann bei weiterer sammlerischer Tätigkeit. Die sich ständig verschlechternden Finanzbedingungen zwangen den Sammler, einen Kredit in der Breslauer Sparkasse zu nehmen und die Bilder, im Neisserhaus ausgestellt, verpfänden zu lassen. Als 1933, die Nazis an die Macht gekommen sind, wurde den meisten jüdischen Juristen, das Recht zur Berufstätigkeit entrechtet. Es ist nach wie vor unklar, ob auch Littmann persönlich, mit diesen Restriktionen belegt wurde. Jedoch, wenn dazu sogar nicht gekommen ist, war seine berufliche Situation in Gefahr. Gleichzeitig hat die ihm zeitgenössische Kunst, von der Naziregierung als „verdorben“ erklärt, an Bedeutung verloren, infolge dessen, die Banken begannen, alle Schulden, mit Bildern verpfändet, ohne Verzögerung einzutreiben. Littmann, plötzlich in der Situation ohne Ausgang befindlich, machte seinem Leben ein Ende.

Nach dem Tod des Sammlers (23. September 1934), entschieden seine Frau und ältester Sohn, 156 Kunstwerke nach Berlin zu verschicken, um diese im Haus Max Perls versteigern zu lassen. Die sollten im Februar 1935 versteigert werden. Zwei Tage vor der geplanten Kunstauktion, beschlagnahmte Gestapo 64 Werke zeitgenössischer Künstler (darunter die Kunstwerke aus der ehemaligen Sammlung Littmanns), wegen deren zu sehr „pornographischen“, bzw. „bolschewikartigen“ Charakters. Die wurden der Berliner Nationalgalerie angewiesen, wo es entschieden werden sollte, ob sie irgendeinen Wert hatten. Der damalige Einrichtungsdirektor wählte von dieser Gruppe, 18 Kunstwerke aus, darunter zwei Bilder von Mueller

aus der ehemaligen Sammlung Littmanns. Die sonstigen wurden als „Entartete Kunst“ erklärt und im März 1936 abgebrannt. Über ein Jahr später, im Juli 1937, wurde in München, eine Ausstellung unter kennzeichnendem Titel „Entartete Kunst“ eröffnet, in welcher, unter mehr als 600 präsentierten Kunstwerken, die Zuschauer (in Gesamtanzahl von über zwei Millionen), vier Gemälde aus der Sammlung Littmanns sehen konnten.

Nach dem Tod seines Vaters, wanderte Hans in die USA aus und nahm die Sammlungsinventare sowie einige hundert Kunstwerke mit. Die in den Vorratskammern der Breslauer Museen befindlichen Kunstwerke, aus der ehemaligen Sammlung Littmanns, wurden durch den Staat übernommen. Die Größe der Sammlung Littmanns im Gedächtnis habend, äußert sich deren weiteres Schicksal überlegend. Es ist bekannt, die Sammlung wurde, von 1932 an, infolge sukzessiver Verkaufsaktionen, ständig verringert. Jedoch vorausgesetzt, dass bei den Kunstauktionen im besagten Jahr, alle versteigerten Kunstwerke verkauft wurden, würde deren Gesamtanzahl 700 Stücke nicht überschreiten. Bei der Kunstauktion bei Max Perl, nach dem Tod des Sammlers, sollen 200 weitere Stücke ausgestellt worden sein. Wenn wir zu dieser Zahl, noch die verstaatlichten Kunstwerke beifügen, und dazu noch einige hundert Objekte addieren würden, die nach dem Tod des Sammlers, in die USA verlagert wurden, würde es die Gesamtanzahl, kaum der Hälfte der ursprünglichen Sammlung Littmans entsprechen. Was ist daher mit den sonstigen dreitausend Objekten geschehen?

Dieser Beitrag entstand anhand des Buchs von M. Palica, Od Delacroix do van Gogha. Żydowskie kolekcje sztuki w dawnym Wrocławiu, Wrocław 2009 [im Druck].

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