Alexander Minutoli als Sammler

Veröffentlichungsdatum: 13 / 12 / 2009

Beitragsverfasser:
  • Magdalena Palica

Alexander von Minutoli, einer Familie von reicher Sammeltradition entstammend und bereits in seiner Jugend Interesse für Kunstdenkmäler beweisend, war Verfasser von verschiedenen Fachpublikationen, z. B. von einem Inventar der mittelalterlichen Kunstdenkmäler Brandenburgs (1836). Seine Forschungsprojekte regte Interesse Friedrich Wilhelms IV. und Karl Friedrich Schinkels an, die jene Unternehmen finanziell unterstützten und mit denen Minutoli jahrelang im Kontakt blieb, seine immer neuen Unternehmen kontinuierlich berichtend.

Im Jahr 1839 wurde Minutoli zur Amtsstellung in Liegnitz abgeordnet. Er fing damals mit der Gestaltung einer Sammlung von verschiedenen Kunstgewerbestücken an, die nach seiner Auffassung, als Vorbilder für ihm zeitgenössischen Handwerker dienen sollten. Ursprünglich versammelte er die Objekte in seiner Wohnung in Liegnitz, wo er 1844 deren erste öffentliche Ausstellung veranstaltete. Doch wurde sein Wohnsitz in Kürze zu klein, für immer anwachsende Anzahl der Objekte. Nach einem Jahr erhielt er die königliche Zustimmung, fürs Ausstellen seiner Sammlung in einem Südflügelteil des Liegnitzer Schlosses, wo sie von allen Interessenten zugeschaut werden konnten. Mehr als 3000 Objekte wurden in einigen zehn thematischen Gruppen unterteilt, was die Museumsbesichtigung deutlich erleichterte. Die Exponate, die in anderthalb Dutzend Schlosszimmern untergebracht waren, bezogen drei Hauptkategorien mit ein, die Kunstsammlung, historische und technische Abteilung.

In der letzteren waren die Objekte nach Material systematisiert, aus dem sie hergestellt wurden, im kunsthistorischen Teil galt die chronologische Ordnung. Als Beispiel kann die so genannte Kapelle mit mittelalterlichen Stücken genannt werden, bzw. das Rokokozimmer. Die ständige Exposition mit dem Titel „Ausstellung einer Vorbildersammlung für Handwerker und Gewerbetreibende“ gilt als erstes Gewerbemuseum in Deutschland (in Berlin wurde eine solche Einrichtung erst 1867 eröffnet). In folgenden Jahren veranstaltete Minutoli auch verschiedene Zeitausstellungen, z. B. im Jahr 1857, gleichzeitig mit der Breslauer Industrieausstellung. Großen Interesses der Öffentlichkeit erfreuten sich ebenfalls jene Ausstellungen, die der lokalen Formgestaltung und Kunst gewidmet wurden. Jedoch schien Minutoli die Exposition im Liegnitzer Schloss, zur Sammlungsveröffentlichung immer unausreichend zu sein, wenn er in den Jahren 1854-1855, mit Hilfe des Photographen Ludwig Belitskis, eine Publikation mit dem Titel Vorbilder für Fabrikanten und Handwerker angefertigt hat. Ursprünglich sollte jenes Buch mit Stichen bebildert werden, doch wusste Minutoli bald Bescheid, welche Möglichkeiten ihm dank neuen Bildverbreitungsmittel, d. h. Photographie zur Verfügung standen. Jenes erste Veröffentlichungsunternehmen im Jahr 1857 fand deren Fortsetzung in einigen weiteren Bänden, die mit 4500 Aufnahmen von Belitski versehen wurden.

Außer den Photoalben erschienen im Druck ebenfalls die Sammlungskataloge. Minutoli versammelte seine Sammlung während seiner Reisen durch Europa, er beteiligte sich auch an verschiedenen Kunstauktionen. Er übernahm von seinem Vater Heinrich von Minutoli, der Teilnehmer der Studienreisen nach Ägypten gewesen war, eine Antikensammlung, deren Teil sich heute im Warschauer Nationalmuseum befindet. Er beteiligte sich an archäologischen Arbeiten im Gebiet Schlesiens und auf diese Weise gewann die „Altertümer“ für seine Sammlung. 1860 wurde seine Sammlung auf 28000 Exponate geschätzt, wobei ein Jahr vorher Minutoli einen Sammlungsteil der königlichen Kunstkammer verkauft hatte, die mitsamt weiteren Objekten, die 1869 verkauft wurden, als Sammlungskern des Berliner Kunstgewerbemuseums galt (es waren insgesamt 7200 Stücke). 1875 mussten die Exponate aus der Sammlung Minutolis vom Liegnitzer Schloss endgültig weggebracht werden. Er brachte seine Sammlung ins zehn Jahre vorher erworbene Palais in Friedersdorf am Queiss über. Manche Exponate gelangten in zwei nahe liegende Bauten, die sich in den Gütern Minutolis befanden. Einer von denen war der Turm genannt Woldeck, nach dem zweiten Nachnamensteil Minutolis, anderer Schloss Neidberg. Bis zum Ersten Weltkrieg waren dort die Kunstwerke aufbewahrt, darunter auch die Sammlung europäischer Malerei und Skulptur. Die Gemäldegalerie zählte einige hundert Stücke, von denen 199 im Jahr 1899 zur Verstigerung erstellt wurden und sieben von denen gelangten in die Berliner Gemäldegalerie. In jener Gruppe sind z. B. Stillleben mit Obstkorb von Balthasar van der Ast, Porträt von Jacob Claesz van Utrecht, bzw. Lautenspielerin vom Bartolomeo Venetos Nachfolger, Kopie des Gemäldes in der Mailänder Ambrosiana nennenswert. Porträt der Königin Eleonora von Österreich von Joos van Cleve, einst zur Versteigerung erstellt, befindet sich heute im Kunsthistorischen Museum in Wien. Eines der Landschaftsbilder, die ehemals im Schloss Friedersdorf am Queiss zur Schau gestellt wurden, gelangte ins Ägyptische Museum in Berlin. Unter den Werken, die an der Auktion angedient wurden, waren auch schlesische Gemälde aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert, darunter ein Gemälde von Michael Leopold Willmann. Einige mittelalterliche Kunstwerke aus der Sammlung Minutolis befinden sich in polnischen Museen. Es handelt sich z. B. um den gotischen Hochaltaraufsatz aus der Pfarrkirche St. Petri und Pauli in Liegnitz, von Nikolaus Obilman (im Nationalmuseum in Warschau, Bezirksmuseum in Thorn, Nationalmuseum in Breslau) sowie das Bild „Madonna in der Kammer“ aus der Werkstatt des Breslauer Meisters des St. Barbara Altars. Eine Statue ist heute im Besitz des Kulturhistorischen Museums in Görlitz. Einige zehn Glasgefäße aus der Sammlung in Friedersdorf am Queiss sind heute im Nationalmuseum in Posen zu bewundern.

Was die Steinmetzarbeiten anbelangt, wurden manche von denen in die Außenwände des Gebäudes eingemauert, wo sie zur Schau gestellt wurden. Das beweist z. B. das Westportal der Gartenfassade des Friedersdorfer Palais. Es handelt sich auch um Kunstdenkmäler, die Minutoli während seiner Reisen durch Schlesien versammelt hat, oft auf diese Weise Diejenigen von Vernichtung errettend. Er erwarb u. a. alte Kirchenausstattungsstücke, die durch neue ersetzt wurden, z. B. Fragmente des Altaraufsatzes von der Liegnitzer Pfarrkirche St. Petri und Pauli. Die Ausstellungstätigkeit Minutolis ist zwar nur eine von seinen zahlreichen Wirkungsformen in Schlesien, doch gilt als bahnbrechender Versuch der Schaustellung seiner Privatsammlung der breiten Öffentlichkeit. Dank Verewigung des bedeutenden Sammlungsteils mittels Photographie, kann sie auch heute bewundert werden.

Im Text wurden die Beitragsfragmente verwendet von: Magdalena Palica, Zbiory sztuki dolnośląskiej szlachty w czasach pruskich, In: Szlachta na Śląsku: władza – kultura – wizerunek własny, Materialien einer internationalen Tagung, hrsg. von Jan Harasimowicz, Matthias Weber [im Druck].

Project co-financed by Ministry of Labour and Social Policy under Government Project – Civic Benefit Fund.
All information published under license: Creative Commons