Bildnisgalerie in Bad Warmbrunn

Veröffentlichungsdatum: 13 / 12 / 2009

Beitragsverfasser:
  • Magdalena Palica

1784 begann man, im Auftrag Johann Nepomuks von Schaffgotsch, eine neue Familienresidenz in Bad Warmbrunn zu errichten. Nach vier Jahren war das Gebäude schon fertig und man konnte mit der Inneneinrichtung anfangen. Der prunkhafte, dreigeschossige Bau mit drei Flügeln und geräumigen Innensälen ermöglichte der Familie Schaffgotsch die Einrichtung und eigentliche Gestaltung der Porträtgalerie, die in jedem Adelssitz notwendig war.

Im Jahr 1943 befanden sich im Bad Warmbrunner Palais mindestens 180 Porträtdarstellungen, was jene Sammlung zur Größten in Schlesien erhob. Die Galerie beinhaltete nicht nur Porträts der Familienmitglieder von Schaffgotsch sowie der mit ihnen verschwägerten Geschlechter. Wesentlichen Bestandteil bildeten auch Bildnisse der Herrscher aus der Familie Habsburg und später auch Hohenzollern sowie anderer gekrönten Häupter Europas und auch der schlesischen Piasten, deren Schwägerschaft mit dem Geschlecht Schaffgotsch gerne unterstrichen wurde.

Die Galerie in Bad Warmbrunn war Ergebnis der über Jahrhunderte andauernden Versammlung verschiedener Porträts. Auf lange Tradition des Versammelns in den Familiensitzen von Schaffgotsch, von Bildnissen der Persönlichkeiten, die mit der Familiengeschichte verbunden waren, weist ein Relief aus dem Anfang des 16. Jh. hin (heute im Nationalmuseum in Breslau), aus Kynast stammend. Es handelt sich höchstwahrscheinlich ums Bildnis eines Vertreters der piastischen Dynastie und jenes Stück sollte deren Schwägerschaft mit dem Geschlecht von Schaffgotsch unterstreichen.

Ein weiteres Kunstwerk aus dem 16. Jahrhundert, welches die Bad Warmbrunner Galerie verziert, ist ein Gruppenbildnis der Familie Schaffgotsch, das den 1575 verstorbenen Kaspar von Schaffgotsch verewigt, mitsamt dessen Ehefrau Sabina von Tader und deren Söhnen, Töchtern und Enkelchen (heute auch im Nationalmuseum in Breslau). Das Gemälde wurde den Ausstellungszielen unterordnet, durch Anbringung der Inschriften zur Identifizierung einzelner Personen.

Die erhalten gebliebenen Informationen zur Entstehungsgeschichte der Sammlung sind mager. Man weiß Bescheid, dass die meisten Bilder im 18. jahrhundert in der Galerie eintrafen. Unter denen waren u. a. zwei Leinwandbilder von Anton Graff, Johann Nepomuk Gotthard darstellend, beide heute im Nationalmuseum in Warschau. Die Arbeiten an der Inneneinrichtung boten Anregung zur Vergrößerung der Galerie. Der dabei eingestellte Maler Anton Petz schuf einen Zyklus der Pastellporträts von einzelnen Geschlechtsmitgliedern von Schaffgotsch. Im Jahr 1800 schenkte das damals kurz in Schlesien weilende königliche Ehepaar (Friedrich Wilhelm III. und Königin Louise), an die Familie, seine Bildnisse. Eines der jüngsten Kunstwerke, waren das 1929 datierte Porträt Friedrichs von Schaffgotsch in Jägertracht und das Bildnis Friedrichs Ehegattin, das zwei Jahre später entstand.

Das Inventarverzeichnis von 1943, die grundsätzliche Quelle zur Wiederherstellung der Galerie, ist nach einzelnen Räumen geordnet, was uns beim Verfolgen hilft, zur Porträtlokalisierung in einzelnen Sälen zu diesem Zeitpunkt. Als der längste Ausstellungszug war Korridor in der ersten Etage, wo mehr als fünfzig Gemälde (nebst Gemälden in beiden Foyers). Die thematische Dominante bildete hier das östliche Vestibül mit dort zur Schau gestellten Bildnissen der Piasten. Es handelte sich um sechs Ganzfigurenporträts: Bolko I. von Schweidnitz-Jauer und dessen drei Söhne: Bernard von Schweidnitz, Bolko II. der Kleine und dessen Ehefrau Agnes von Habsburg. Unter mehr als 180 Porträts, die in Bad Warmbrunn zur Schau gestellt wurden, stellten 80 (dem Verzeichnis von 1943 gemäß) die Geschlechtsmitglieder von Schaffgotsch dar, mit einem der Geschlechtsurahnen Gocz II. Schaff beginnend. Dessen Mutmaßbildnis entstand sicherlich mit der Absicht von Gestaltung der Ahnengalerie und sollte die Bedeutung des Stammbaums unterstreichen. Die höchst verdienten Familienmitglieder wurden mehrmals verewigt, z. B. Hans Ulrich wurde nicht nur in seinem Bildnis ad vivum, sondern auch in einem anderen Leinwandbild aus dem 19. Jh. dargestellt. Einige zehn Gemälde verewigten die Vertreter der mit Schaffgotsch verschwägerten Geschlechter (Maubeuge, Hatzfeld, Oppersdorf). Zwanzig Porträts annähernd stellten die gekrönten europäischen Häupter. Diese Gruppen wurden durch zwei Dynastien beherrscht: Habsburger und Piasten. Nach dem Anschluss Schlesiens durch Preußen erschienen im Warmbrunner Palais Bildnisse der Geschlechtsvertreter von Hohenzollern: Friedrich II., Friedrich Wilhelms II., Friedrich Wilhelms III. und der Königin Louise.

Wir kennen wenige Namen der Künstler, die Gemälde für die Warmbrunner Galerie geschaffen haben. Zwei Porträts Johann Nepomuks von Schaffgotsch wurden durch einen bekannten Maler Anton Graff ausgeführt, dessen Bilder Zierde zahlreicher Adelsresidenzen waren. Die sonstigen Namen, die an den Leinwandbildern erscheinen, geben zumeist die Namen schlesischer Maler, von denen, in meisten Fällen, geringe Informationen erhalten sind (z. B. Georg Ledern von Greifenberg, Daniel Drescher von Breslau, Daniel Darschmack von Prag sowie Johannes Kliemann und Johann David Grüson).

Die Porträts aus der Galerie Schaffgotsch wurden zu verschiedenen Ausstellungen entliehen. 1885 wurden zur Ausstellung der Gewerbe und Industrie, die in Görlitz stattfand, außer der großen Sammlung von Waffen und Rüstung, auch die Porträts Kaiser Karls VI., Kaiserin Maria Theresias und König Gustav II. Adolfs versandt. 1942 wurde im Schlesischen Museum der bildenden Künste in Breslau eine Ausstellung „Friedrich der Große – Maria Theresia und ihr Kreis in Bildnissen der Zeit“ veranstaltet. Dort wurden zwei Gemälde aus der Bad Warmbrunner Sammlung zur Schau gestellt und zwar Porträts Johann Nepomuks, von Anton Graff. Im Breslauer Museum wurden auch Gemälde aus der Sammlung von Schaffgotsch restauriert und dessen Mitarbeiter, z. B. der Direktor Müller-Hofstede, half bei der Identifizierung der dargestellten Personen. Bei der Inventarisierung im Jahr 1943 wurde die Forschungsdurchführung geplant, deren Hauptziel die Identifizierung unbekannter Bildnisse nach dem Zweiten Weltkrieg war. Unter den Beschriftungen einiger Darstellungen ist zu lesen: „Die genaue Feststellung kann erst nach dem Kriegsende versucht werden“. Jenes Unternehmen wurde doch nicht verwirklicht, denn nach zwei Jahren kam es zur Galeriezersplitterung. Heute befindet sich die größte Bildergruppe aus der ehemaligen Bildnisgalerie im Breslauer Nationalmuseum. Es handelt sich um einige zehn Gemälde, die in diese Einrichtung mit verschiedenen Wegen gelangten (aus der Nationalanstalt der Familie Ossoliński, aus dem Lagerhaus in Kozłówka bei Lublin, von Privatbesitzern). Zwei Bilder wurden 1961 von einem Privatsammler in Krakau, ins Warschauer Nationalmuseum gekauft. Siebzehn Leinwandbilder befinden sich im Kunstmuseum in Łódź (Litzmannstadt), wo sie 1973 aus dem Requisiteurhaus beim Filmbetrieb in Łódź gelangten. Das Schicksal der sonstigen 120 Bilder bleibt unbekannt.

Im Text wurden die Aufsatzabschnitte von: Magdalena Palica, Die Porträtgalerie im Warmbrunner Palais Schaffgotsch, In: Materialien zur wissenschaftlichen Tagung: „Das Haus Schaffgotsch – Konfession, Politik und Gedächtnis eines schlesischen Adelsgeschlechts vom Mittelalter bis zur Moderne“ (im Druck) verwendet.

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