Das Ölgemälde „Himmelfahrt der Heiligen Jungfrau Maria” aus der Sammlung des Stadtmuseums in Neisse – ein Zuschreibungsversuch

Veröffentlichungsdatum: 15 / 10 / 2012

Beitragsverfasser:
  • Ewelina Kwiatkowska (Muzeum w Nysie)

Die Ölskizze im Neisser Stadtmuseum aufbewahrt, zu einem Gemälde „Himmelfahrt der Heiligen Jungrau Maria“ von Sebastiano Ricci, viele Jahre als Werk eines italienischen Künstlers Gaspare Diziani (1689-1767) betrachtet, wurde angesichts der neuesten Forschungen als Kopie vom 19. Jahrhundert erkannt. Das Gemälde unbekannter Urheberschaft stammt aus der Sammlung des Grafen Eloi Matuschka von Toppolczan aus Biechów bei Neisse und wurde 1945, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs dem Museum in Neisse übergeben.

Der Künstler malte gegen Ende seines Lebens das Altarbild „Himmelfahrt der Heiligen Jungfrau Maria” für die Karlskirche in Wien (Aufn. 2). Drei Ölskizzen sind damals entstanden: die eine befindet sich im Schloss Aschaffenburg in Deutschland, die andere im Stadtmuseum von Mělník (Tschechien), die noch andere hingegen im Museum der Bildenden Künste in Budapest. Das Neisser Gemälde trat für eine bestimmte Zeit als eine Skizze von Ricci auf, obwohl die Autorschaft endgültig dem Maler Gaspare Diziani zugeschrieben wurde, der mit Ricci befreundet war und kannte alle seine künstlerischen Errungenschaften. Sowohl im 18. als auch im 19. Jahrhundert wurden die Gemälde oder Skizzen üblicherweise kopiert und das war für den Namen des Künstlers keineswegs beleidigend. Obwohl drei Skizzen zu einem Gemälde geschaffen wurden, nämlich zu demjenigen, das sich in der Karlskirche von Wien befindet, sie unterscheiden sich ganz bedeutend voneinander in Komposition und Details, die nicht in allen Versionen vorkommen.

Das Neisser Gemälde, dessen Dimensionen 57 × 29,5 cm sind, unterscheidet sich bedeutend von den anderen erwähnten Skizzen von Ricci, die von ihm erheblich größer sind (das Gemälde im Budapester Museum misst 95 × 51,5 cm, die Bildkomposition von Aschaffenburg misst 145,9 × 84,5 cm). Dieser Umstand und auch die mehr unbeholfene Ausführungsqualität des Leinwandgemäldes von Neisse im Vergleich zu den anderen erwähnten Bildkompositionen, erregten Zweifel über die Autorschaft Riccis. Bei fortschreitender Arbeit an Bestimmung der Autorschaft von der Neisser Skizze entstanden immer mehr Fragen. Eine von denen betraf den Bildrahmen. Das Gemälde ist in einem hölzernen Rahmen eingerahmt, mit einem darin integrierten dekorativen Oval, an dem die Beschriftung Gaspare Diziani (1689-1767) aus dem 19. Jahrhundert angebracht ist.

Nach der ersten Bildbetrachtung von der Kunstkonservatorin Jolanta Dudała M.A., wurde das Leinwandgemälde durch sie aufs 19. Jahrhundert datiert, im Hinblick auf das maschinelle Flechten (Aufn. 3). Im 18. Jahrhundert wurden Leinwände per Hand gewoben, deren Flechten waren lockerer und unregelmäßiger als in einer maschinell gewobenen Leinwand. Angesichts der zunehmenden Zweifel wurde ein Leinwandstück, samt den Pigmentproben – von Weiß und Blau, in die Konservierungswerkstatt für Kunstwerke in Thorn gebracht. Mit Hilfe des farbigen Infrarot Photos wurde ein Bild erzeugt, dank dem die Identifizierung der Farbstoffe und Pigmente in den untersuchten Gemäldeproben möglich war. Die Gemäldeanalyse belegte die Verwendung von Zinkweiß, was für die Datierung des Gemäldes von sehr großer Bedeutung ist. Es belegt nämlich, dass das Gemälde keineswegs im 18. Jahrhundert entstanden sein mochte, denn Zinkweiß wurde erst 1834 entdeckt, die industrielle Zinkweißproduktion wurde dagegen 1845 begonnen. Jenes Pigment wurde von Malern der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts üblicherweise verwendet. Die Anwesenheit des Zinkweißes, d. h. des datierenden Pigmentes, lässt vermuten, dass die Malschicht aus frühestens 50-er Jahren des 19. Jahrhunderts stammen kann. Die untersuchten Proben der grundierten Leinwand belegen, dass es sich um eine fertig grundierte Leinwand aus der Massenproduktion handeln kann, eine Leinwandart, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts die per Hand gewobenen Leinwände verdrängt hat. Die Verwendung von dieser Art Bilduntergrund ist damals zur Norm geworden und fast alle Künstler arbeiteten mit fertig grundierten Leinwänden, die üblicherweise im Verkauf waren. Im Zusammenhang damit entsteht die weitere Frage, ob das Gemälde aus der ehemaligen Sammlung des Geschlechts Matuschka nach dem verheerenden Brand des Schlosses im Jahr 1854 erworben wurde, d.h. in dem Moment, wo Graf Eloi Matuschka seine Kunstsammlung neu gestaltete und ergänzte. Oder hatte das Bild viele Jahre vorher demselben Geschlecht gehört? Die erste Möglichkeit mag ganz wahrscheinlich sein, im Hinblick auf die historischen Umstände, auf des Grafen Vorliebe fürs Kunstsammeln sowie auf die fürs 19 Jh. kennzeichnende Mode fürs Gemäldekopieren. Andererseits erregt der hölzerne Bildrahmen mit Beschriftung Gaspare Diziani (1689-1767) immer Zweifel. Die Frage entsteht, ob sich im genannten Rahmen das ursprüngliche Gemälde von Diziani, die „Himmelfahrt der Heiligen Jungfrau Maria” darstellend, befand, mit absichtlich verkleinerten Dimensionen im Vergleich zu den Skizzen von Ricci. Oder hat Graf Matuschka das Leinwandgemälde nach 1854 erworben, angeblich als ein Werk des Venezianers, ohne eine Fälschung erkannt zu haben? Leider müssen die beiden Fragen momentan offen bleiben, denn es gibt keine Urkunden, in denen das ursprüngliche Sammlungsinventar des Geschlechts von Matuschka vorhanden wäre. Man kann doch zur Annahme neigen, dass Eloi Matuschka unbewusst eine Kopie aus dem 19. Jh. des barocken Gemäldes von Diziani erworben hat.

Das Gemälde, obwohl sich als Kopie erwiesen hat, gehört immer zu den wertvollsten Kunstwerken, die sich im Stadtmuseum in Neisse befinden.

Dieser Beitrag ist eine zusammengefasste Version des Aufsatzes:

Ewelina Kwiatkowska, Obraz olejny „Wniebowzięcie Najświętszej Marii Panny” ze zbiorów Muzeum w Nysie – próba ustalenia pochodzenia, historii i autorstwa In: M. Radziewicz (hg.) „Nyskie Szkice Muzealne”, Nr. 5 (2012), S. 91-100

Auch die unten genannte Dokumentation ist zu diesem Beitrag verwendet worden:

Dokumentacja badań próbek pobranych z obrazu olejnego na płótnie datowanego na XVIII wiek, określonego jako szkic autorstwa włoskiego malarza Ricci, Auftragnehmer: Dr. Teresa Kurkiewicz, Adam Cupa M.A.; Beratung von: Dr. habil. Jarosław Rogóż, Toruń 2012.

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