Die Gemäldesammlung des Bischofs Heinrich Förster

Veröffentlichungsdatum: 12 / 04 / 2010

Beitragsverfasser:
  • dr Joanna Lubos-Kozieł

Der Breslauer Bischof Heinrich Förster (1799-1881), der sein Amt in den Jahren 1853-1881 bekleidete, war der eminenteste Mäzen der Malerei und Kirchenkunst des 19. Jh. in Schlesien.

Seine Wirkung als Sammler und Stifter soll im Kontext der Erweckungsbewegung christlicher Kunst analysiert werden, die sich in der deutschen katholischen Kirche um Mitte des 19. Jh. entwickelt hat. In dieser Zeit erfreute sich großer Popularität innerhalb der katholischen intellektuellen Kreise, jene Meinung, dass die Kirche fürs religiöse Kunstschaffen verantwortlich wäre. Zu den Aufgaben der Geistlichkeit zählte man seit jener Zeit das Entwicklungsunterstützen zeitgenössischer Kunst, was zur Entfaltung sowohl institutionellen als auch individuellen Mäzenatentums beigetragen hat. Unter den Geistlichen, die die deutschen und österreichischen Diözesen innehatten, ziehen etliche Persönlichkeiten unsere Aufmerksamkeit. Diejenigen fanden die Kunstunterstützung, als deren wesentliche bischöfliche Aufgabe. Erwähnenswert sind in diesem Fall: Kardinal Johannes von Geissel und Johann Anton Baudri aus Köln, Bischof Johann Müller aus Münster, Bischof Eduard Jakob Wedekin aus Hildesheim oder Erzbischof Joseph Othmar Rauscher aus Wien. Die Wirkung der meisten von ihnen konzentrierte sich auf die Entwicklungsunterstützung neogotischer Architektur, für Malerei interessierte man sich weniger. Aus dessen Vorliebe für zeitgenössische religiöse deutsche Malerei war wiederum der Apostolische Legat Michele Viale-Prela bekannt. Gerade die Persönlichkeit eines wichtigen Bildersammlers Viale-Prelas, nahm sich der Bischof Förster als Vorbild.

Die ausgeweitete Tätigkeit des Breslauer Bischofs, zu der auch Förderung neogotischer Architektur gehörte, hat sehr viel zu tun mit der Wirkung anderer Vertreter der Erweckungsbewegung christlicher Kunst. Gleichzeitig fordern jedoch der Wirkungsumfang Försters sowie sein hohes persönliches Engagement in die Kirchenkunst, ihn als nicht reiner Nachfolger der Vorbilder aus anderen Diözesen zu betrachten, sondern auch als eine der führenden Persönlichkeiten der Erweckungsbewegung christlicher Kunst in Deutschland sowie als den bedeutendsten unter höheren geistlichen Gemäldesammlern.

Die wichtigsten Quellen, die die Wiederherstellung der nicht erhaltenen Sammlung Förster ermöglichen sind zwei Inventare seines Besitztums. Das erste, 1840 begründet, dokumentiert den Stand des Besitztums Försters, vor Antreten seines Amtes und verzeichnet vor allem die Graphiken. Das Versammeln der Graphik, wie die Angehörigkeit Försters zu zwei Liebhabervereinen der bildenden Künste: dem Schlesischen Kunstverein sowie dem Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, passt zur im 19. Jh. besonders beliebten Form der Verwirklichung künstlerischer Leidenschaft hinein. Erst die Berufung Försters im Jahr 1853 zum Bischofsstuhl galt als Umbruchsmoment für seine sammlerische Tätigkeit. Deswegen erwähnt das zweite Inventar, seit 1854 niedergeschrieben – außer immer zahlreichen Graphiken – auch mehr als 80 Gemälde in Öltechnik. Förster, indem er die Kirchenbilder stiftete und seine Privatgemäldesammlung gestaltete, kaufte viele Bilder von den Breslauer Malern. Für ihn arbeiteten und seine Sammlung bereicherten vor allem Raphael Schall und Theodor Hamacher. Im Kreis des Mäzenatentums Försters fanden sich auch der protestantische Maler Adolph Zimmermann und Carl Wohnlich. Als echter Stolz des Bischofs galten jedoch Aufträge, die der Geistliche den religiösen Malern aus künstlerischen Zentren gab, vor allem den späten Vertretern der Düsseldorfer Nazarener. Deutliche Unterschiede in Honorarhöhen, die Förster den Malern Schall und Zimmermann auszahlte (90 bis 400 Talern) und Preisen für die Werke von Franz Ittenbach und Carl Müller (500 bis 3000 Talern) betonen die Statusspaltung zwischen den provinziellen schlesischen Malern und bedeutenden Düsseldorfern. Ergebnis der Interesse Försters fürs Schaffen der letzteren war Herbeischaffen ins Schlesien, insgesamt einiger zehn Gemälde. Das Sammlungsinventar des Bischofs erwähnt drei Leinwandbilder von Karl Müller, zwei von Ittenbach und je ein Gemälde von Andreas Müller und Ernst Deger. Die Spätnazarener aus Düsseldorf malten auch Altarbilder im Auftrag Försters. Darüber hinaus besaß der Bischof in seiner Sammlung die Werke eines anderen Düsseldorfers, Heinrich Mückes, Leopold Kupelwiesers aus Wien, des in Rom wirkenden Gebhardt Flatzes und der Berliner Maler Julius Schraders und Albert Kornecks. Am nächsten stand den römischen Nazarenern Eduard von Steinle, dessen Schaffen in der Sammlung Försters nur durch zwei schlichte Tuschen- und Aquarellzeichnungen vertreten wurde.

Außer etwa 50 Gemälden zu religiösen Themen, befanden sich in der Sammlung Försters auch mehr als 20 Landschaftsbilder und ca. 10 Porträts, die scheinen zu betonen, dass der Bischof nicht nur Liebhaber der „engagierten“ christlichen Kunst sondern auch der „reinen“ Malerei war. Eher unzahlreich war wiederum in der Sammlung Försters alte Malerei vertreten. Die Sammlung war teilweise im bischöflichen Palais in Breslau und teilweise im Jauernicker Schloss aufbewahrt, als Verzierung von sowohl öffentlichen als auch Privaträumen in beiden Residenzbauten.

Das fehlende Interesse ans Kunstsammeln und gleichzeitig die Offenheit aufs Erbe der zeitgenössischen Profanmalerei entfernte den Breslauer Bischof von der Erweckungsbewegung christlicher Kunst und lässt ihn als für Kirchenwohl orientierten Stifter und auch als seinen individuellen ästhetischen Bedarf verwirklichenden Betrachter sehen. Als Liebhaber und Kenner der Malkunst, der den künstlerischen Wert der Kunstwerke sorgfältig analysierte, taucht Förster ebenfalls in Zeilen seiner Privatbriefe an Ittenbach und Karl Müller auf. Jene Briefe lassen die künstlerischen Meinungen Försters wiederherstellen, die prinzipiell den in jener Zeit beliebten Konzepten innerhalb der Liebhaber christlicher Kunst ganz nahe standen und gleichzeitig beweisen äußerst persönliches Verhältnis des Bischofs zu den versammelten Kunstwerken.

Die Sammlung wurde nach dem Bischofs Tod zersplittert. Der Geistliche ließ die meisten Bilder unter Kirchen, Klöster, Kirchenämter und Residenzen der Breslauer Diözese sowie unter Privatbesitzer verteilen, die sonstigen hingegen – in der Regel weniger wertvollen – ließ er verkaufen. Bisher gelang es 13 Gemälde, aus der ehemaligen Sammlung Försters, aufzufinden und zu identifizieren, u. a. die Gemälde von Ittenbach sowie von Karl und Andreas Müller.

Der Beschluss von der Sammlungsverteilung soll im Kontext der damals geltenden Auffassung christlicher Kunst begriffen werden. Der Bischof, obwohl für seine sammlerische Tätigkeit ästhetische Anregungen und persönliche Motive von äußerst großer Bedeutung waren, strebte nicht nach Aufrechterhaltung seiner Sammlung als Gänze, sondern beschloss deren Zersplitterung, denn die von ihm zuvor versammelten Bilder erst nach deren Überführung in Sakralräume, deren eigentliche Andachtsrolle am vollständigsten erfüllen konnten.

Die aus der Privatsammlung stammenden und für deren künstlerische Qualität hoch gelobten Bilder, denen die eigentliche Bestimmung endgültig in der Andachtsrolle in Kirchenräumen zugewiesen wurde, veranschaulichen äußerst deutlich den Widerspruch, der auch andere Kunststiftungen des 19. Jh. aus dem Kreis der Erweckung christlicher Kunst betrifft. Das Streben nach Statuswiederherstellung religiöser Kunst, nach mittealterlichem Vorbild, wo deren Bedeutung durch liturgische und Andachtsziele vorgeschrieben wurde, war keineswegs Rückkehr zur „vorkünstlerischen“ Epoche, sondern im Gegenteil – folgte in Ästhetisierung der Kircheninnenräume. Der Kirchenraum, mit Kunstwerken erfüllt, wurde zu einer Art „Museum“ oder „Galerie“. Und der Stifter, für die Wiederherstellung der Kultfunktion der Bilder, betrachtete sie mit Augen eines schönheitsempfindlichen Kenners des 19. Jahrhunderts.

Quellen:

Erzdiözesanarchiv in Breslau, Volumen: Akten des Bischofs Förster, Sign. I A 22 c 11 (Inventarium meines Eigenthums – angelegt im Jahre 1840, fortgesetzt in den folgenden Jahren); Sign. I A 22 c 12 (Inventarium meines Eigenthums – angelegt im Jahre 1854, fortgesetzt in den folgenden Jahren).

Bibliographie:

Alfons Nowack, Fürstbischof Heinrich Förster als Mäzen der bildenden Künste, In: "Archiv für schlesische Kirchengeschichte", 2 (1937), S. 207-218.

Joanna Lubos-Kozieł, „Wiarą tchnące obrazy”. Studia z dziejów malarstwa religijnego na Śląsku w XIX wieku (Acta Universitatis Wratislaviensis No 2662, Historia Sztuki XVIII), Wrocław 2004.

Joanna Lubos-Kozieł, Sbírka obrazů biskupa Heinricha Förstera a její pozůstatky na zámku Jánský Vrch, In: „Jesenicko. Vlastivědný sborník”, V (2004), S. 20-30.

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