Die Sammlung Matuschka in Bechow

Veröffentlichungsdatum: 13 / 12 / 2009

Beitragsverfasser:
  • Magdalena Palica

Die Bechower Sammlung entstand auf Anregung des Grafen Eloi Matuschkas von Toppolczan, der im Jahr 1856 das Anwesen bei Neisse geerbt hat, nach seiner verstorbenen Tante Antoinette von Montbach. Wegen eines Brands, der zwei Jahre vorher den Palast samt Wirtschaftsbauten und Kirche vernichtet hatte, beschloss der Graf eine neue Residenz errichten zu lassen.

Nach dem Wunsch des Grafen, wurde der Palast in den Jahren 1863-1865, nach dem Entwurf des hervorragenden Architekten Carl Lüdeckes umgebaut. In derselben Zeit wurde sicherlich eine Kunstwerksammlung versammelt, die zum Schmuck der neu entstandenen Innensäle bestimmt wurde, was bei Innenverzierung einer Adelsresidenz unverzichtbar war. Außer Gemälden, zählte zu jener Sammlung auch das Porzellan aus Sèvres und Meißen. In der prunkhaften Bibliothek, in der mehr als 20000 Volumina vorhanden waren, befanden sich auch zahlreiche Werke zu Militär-, bzw. Kunstgeschichte. Manche Kunstwerke aus dem Palast in Bechow (vierunddreißig Gemälde und acht Porzellangefäße) gelangten nach dem letzten Weltkrieg ins Museum in Neisse.

Der erhalten gebliebene Sammlungsteil des Grafen Matuschka besteht überwiegend aus italienischen und flämischen Gemälden, doch erscheinen in derselben Sammlung auch einzelne Werke der deutschen, französischen, englischen oder sogar persischen Malerei. Unter jenen mannigfaltigsten Werken, wird die zahlreichste Gruppe durch die Gemälde alter Meister, bzw. durch deren Kopien meistens aus dem 19. Jahrhundert stammend, vertreten. Zu den interessantesten Objekten gehört das Bild Madonna mit Kind und Johannesknaben aus der Werkstatt Francesco Francias. Das Gemälde ist ein typisches Werk, 1505 bis 1515 datiert, von einer Werkstatt Francias, die zahlreiche kleinformatige Andachtsbilder anfertigte. Ein weiteres kleinformatiges Marienbild aus der Bechower Sammlung, auch zur Privatandacht bestimmt, entstand unter starkem Einfluss des emilianischen Künstlers Innocenzo Francucci da Imolas.

Die florentinische Cinquecento Malerei wird durch das hochwertige Werk, nämlich „Heilige Familie“ von Carlo Portelli, einem immer wenig bekannten Schüler Ridolfo Ghirlandaios. In jenem Bild, von geschmackvollem manieristischem Kolorit und deutlich Formen gestaltendem Helldunkel, sind Inspirationen mit Rosso Fiorentino, Jacoppo Carucci gen. Pontormo und Francesco Salviati bemerkbar. Von Girolamo Siciolante da Sermoneta, Vertreter des römischen Manierismus wurde ein anderes Bild geschaffen, die „Madonna mit dem Kind durch Engel umgeben“, darstellend. In der Sammlung der Grafen Matuschka befanden sich auch Werke von barocken Künstlern. Zu denen gehörte eine kleinformatige Skizze auf Leinwand von Gaspare Diziani, das Bildvorhaben Himmelfahrt Marias wiederholend, aus der Karlskirche in Wien, gemalt von Sebastiano Ricci [wir wissen jetzt, dank Recherche von Ewelina Kwiatkowska, dass es is leider eine Kopie aus dem 19. Jh.]. Erwähnenswert ist auch das Gemälde Madonna mit dem Kind von Carlo Maratta. Zur Gruppe der italienischen Gemälde zählen auch Kopien aus dem 19. Jh. nach Werken von bekannten Künstlern, darunter auch zwei Gemälde nach Raffael: Heilige Familie mit Johannesknaben und Loretto-Madonna sowie eine Pietà nach Andrea del Sarto. Ein weiteres interessantes Beispiel für Wiederholung einer älteren Bildkomposition ist Madonna mit dem Kind im vergoldeten Neorenaissancerahmen. Das Gemälde stellt die Figuren dar, aus dem Mittelfeld des Altarretabels von Sano di Pietro, das heute in der sienesischen Pinakothek aufbewahrt ist.

Unter nordeuropäischen Werken aus der Sammlung Matuschka ist die Anbetung der Hirten von Hugo van der Goes’ Nachfolger nennenswert, dessen Vorbild das Mittelteil einer mehr erweiterten Bildkomposition aus der Berliner Gemäldegalerie war. Unter den sonstigen Gemälden aus der Sammlung Matuschkas, die heute im Neisser Museum aufbewahrt sind, macht uns aufmerksam die Landschaft mit Turm, Jan Baptist Weenix zugeschrieben, Blumen in einer Vase mit Cornelis Kick verbunden. Außer Landschaften und Stilllebenbildern haben sich zahlreiche Bildnisse, einst zur Bechower Sammlung angehörig, erhalten, meistens von französischen und deutschen Meistern. Es gelang nicht zu klären, ob es sich um Porträts der Familienmitglieder Matuschka handelt.

Die Archivrecherchen zum Thema des Begründers der Bechower Sammlung ließen nicht viele neue Informationen entdecken. Wir wissen nicht welche Motive, außer selbstverständlicher Lust auf Neueinrichtung seiner Residenz, ihn angeregt hatten und was die Sammlungsgestalt beeinflusste. Wichtige Informationsquelle zum Geschmack Eloi von Matuschkas bildet gerade der Palast in Bechow, deren Form auf die Renaissanceschlösser in Deutschland und Frankreich zurückzuführen scheint. Schlüssige Ergänzung der Neorenaissanceschnitzerei und Möbel in den Innensälen war die Gemäldesammlung alter Meister und deren Kopien. Es mag von Bedeutung sein, dass alle Kopien, die sich heute im Neisser Museum befinden, sind Mariendarstellungen. War die Innenverzierung der Familienresidenz mit zahlreichen religiösen Bildern eine Art Bekenntniserklärung (wie die Madonnenfigur an der Fassade des Reisewitzer Palais von Ingenheim oder die Statue der hl. Hedwig am Breslauer Palais Ballestrem)? Anregung zum Bejahen jener Frage scheint die Bautenanlage in Bechow zu bieten. Auf einem Berg, nicht weit von der vorderen Fassade des Palais wurde eine große neogotische Kapelle errichtet. Im ersten Blick erschien jedem, der die Güter von Matuschka besuchte, gerade diese Kapelle, die oberhalb des unten liegenden Palastes dominierte und gleichzeitig die Rolle der Religion im Leben der Familie betonte. Gälten zahlreiche Religionsbilder und insbesondere Marienbilder als Ausdruck ähnlicher Art? Die Beantwortung dieser Frage wäre nur insofern möglich, inwiefern die Sammlung Matuschka mit anderen schlesischen Sammlungen im 19. Jh. entstanden, verglichen werden könnte. Eine solche Vergleichsanalyse ist jedoch in der heutigen Stand der Forschung nicht möglich.

Im Text wurden die Beitragsfragmente verwendet von: Magdalena Palica, Kilka słów o kolekcji hrabiów Matuschków z Biechowa koło Nysy, czyli przyczynek do badań nad śląskim kolekcjonerstwem, In: Nysa. Sztuka w dawnej stolicy księstwa biskupiego, Materialien der Tagung, 3.-5. Oktober 2005 Neisse, hrsg. von Ryszard Hołownia, Mateusz Kapustka, Wrocław 2008, S. 289-297.

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