Porträt Kaiser Ferdinands III. von Habsburg aus dem Regionalmuseum in Jauer

Veröffentlichungsdatum: 06 / 01 / 2011

Beitragsverfasser:
  • Arkadiusz Muła

Das präsentierte Porträt in Ovalform stammt aus dem ehemaligen Heimatmuseum in Jauer. Es wurde bisher als Bildnis eines nicht näher bekannten „schlesischen Herzogs“ betrachtet. Eine solche Erwähnung über jenes Gemälde gibt der Verfasser der Note im Inventar des Museums, welches seit Ende der 20-er Jahre des 20. Jh. niedergeschrieben wurde. Nach den neuesten Forschungen handelt es sich um eines der interessantesten in der Kunst Schlesiens bis heute erhaltenen Bildnisse des Kaisers Ferdinand III. (1608-1637).

Das Porträt wurde geschaffen, anhand der im Gebiet der Habsburgischen Monarchie hoch verbreiteten graphischen Vorlagen, die u. a. in Wien, Salzburg, Zürich und Prag graviert wurden. Der Kaiser ist als stehender Jüngling dargestellt, in Dreiviertelansicht, vor einem roten Vorhang, es birgt auch die kennzeichnenden Herrschaftsattribute: am Hals des Porträtierten, in der goldenen Kette, hängt der Orden des Goldenen Vlies, im Hintergrund rechts dagegen, auf dem Tisch mit roter Decke, liegt die Krone des Heiligen Römischen Kaiserreichs der Deutschen Nation – ein lesbares Zeichen der Habsburgischen Herrschaft, dessen Ursprünge auf mittelalterliche und frühneuzeitliche Ikonographie zurückreichen. Der Griffstück eines Rapiers in der linken, versenkten Hand des Porträtierten bezieht sich auf die Rolle, die der Monarch in Verwirrungen des Dreißigjährigen Kriegs gespielt hat. Das Gemälde entstand zweifelsohne nach der Krönung des Herrschers im Jahr 1637

Ferdinand III., dessen Herrschaft das über Jahrzehnte andauernden Militärkonflikt zu Ende gebracht hat, wurde zu einem der Hauptförderer der Idee der Gegenreformation im Kampf gegen die Protestanten. Der konventionalisierte Bildnistypus des Kaisers verzierte Innenräume der Amts- und Obrigkeitsherrschaftssitze im Gebiet von Ober- und Niederschlesien. Die einfachen Darstellungen drückten die Legislative der kaiserlichen Herrschaft in provinziellen, ganz vom Wiener Hof entfernten Herzogtümern aus. In vielen Fällen gestalteten sie die reichen Gemäldesammlungen der katholischen Aristokratie mit, die auf jene Art ihre Verbundenheit mit der herrschenden Dynastie betonte. Das präsentierte Bildnis stammte höchst wahrscheinlich aus einer der Residenzbauten Jauers, bzw. aus einer in der Gegend liegenden Gütern. Es ist nicht auszuschließen, es galt als Bestandteil einer Ahnengalerie mit dem Bildniszyklus cassa d’Austria. Dafür sprechen zwei andere Porträts in Ovalformen in demselben Museum, von ähnlichen Ausmaßen, die die weiteren Vertreter der herrschenden Familie und Herzöge verewigen. Die charakteristische Darstellungsart einer Person, Kostüme sowie Ausführungstechnik sprechen für die Entstehungszeit der sonstigen Leinwandbilder desselben Zyklus spätestens um 1680. Die prunkhafte Bildnissammlung der Herzöge und Vertreter der Habsburger Dynastie kann sich in der nahe liegenden Residenz der Grafen von Nostitz befunden haben, die Verwalter des Herzogtums Schweidnitz-Jauer im Namen des Kaisers waren. Otto von Nostitz, der gleichzeitig loyal für den Kaiser und ein wirkender Politiker der Dreißigjährigen Kriegszeit war, spielte in den Jahren 1656-1665 die wesentlichste politische Rolle in der Region und wurde Landrat des Herzogtums Schweidnitz-Jauer ernannt. Der imposante Bücherbestand der Bibliothek, mit einschließlich Kunstgegenständen, wurde durch den Grafen in seiner Residenz in Lobris zusammengetragen. Nachdem das ehemalige Piastenschloss in Jauer, in eine Wohnresidenz umgestaltet worden war, überführte der Graf nach 1656 seine ganze Sammlung in den neuen Sitz. Das Vorhandensein der Bildnisse und emblematischen Darstellungen, die die absolutistische Regierung der Habsburger verherrlichten, wurde durch die Bildnisse der Hauptvertreter der kaiserlichen Dynastie, mit Bildnis Ferdinands III. Nachfolger, Leopolds I. belegt, die das Gesamtprogramm der Fresken im Innen des Lobriser Palais um 1690 mitgestaltet haben.

Die Darstellungen des Herrschers Ferdinand III. von Habsburg wurden im Ostmitteleuropa durch Flugdrucke verbreitet, die von solchen Künstlern wie Sebastian Furck (1615-1655?) oder Lucas Kilian (1597-1637) geschaffen wurden. Erfinder des „entwurfs“ eines der ersten Kaiserporträts in Ovalrahmen war nach 1637 der Holländer Frans Luyckx (1604-1668). Luyckx war Verfasser des wahrscheinlich berühmtesten Herrscherporträts, welches heute Zierde des Kunsthistorischen Museums in Wien ist und gegen 1637/1638 datiert wird. Neben den traditionellen Porträtdarstellungen sind auch die graphischen Ovalbildnisse Kaiser Ferdinands III. bekannt, mit der emblematischen Verzierung, unter denen auch diejenigen, die von einem Breslauer Graphiker und Verleger David Tscherning (ca. 1615-1691) geschaffen wurden.

Der Verfasser des Gemäldes aus Jauer war einer der schlesischen Künstler des 17. Jh., möglicherweise Einer mit dem Hof der Piastenherzöge von Liegnitz-Brieg, Georg Rudolph oder Georg III. nah verbunden. Der unbekannte Maler verwendete zweifelsohne die graphischen Vorlagen. Die Konvention und der pittoreske Stil lassen es den lokalen Werkstätten zuweisen, die stark durch die Porträtmalerei in Prag und Wien beeinflusst wurden. Die sanft und idealisiert modellierten Körperumrisse sind einigermaßen der Rudolphinischen Malerei sowie den im Ostmitteleuropa beliebten Porträts von Justus Sustermanns (1597-1681) verwandt, die die Gestaltung der barocken Bildnisgattung eines Herrschers stark beeinflusst haben. Die Darstellungsart der Person vor einem Vorhang, am bedeckten Tisch mit darauf liegenden Herrschaftszeichen reicht auf die manieristischen Kaiserporträts aus dem letzten Viertel des 16. Jh. zurück. So stilisierte Herrscherporträts, mit Gestalten im zwei Drittel angeschnitten, üblicherweise in der Dreiviertelansicht treffen wir in schlesischen Sammlungen zum ersten Mal um die Wende des 16. und 17. Jahrhunderts. Zur Reihe der wesentlichsten manieristischen Gemälde, die die Bildnissequenz der Habsburger Kaiser nach dem besagten Schema eröffnen, gehört u. a. das „Bildnis Kaiser Rudolphs II.“, Geschenk von Jeremias Bock für die Bibliothek am Gymnasium St. Maria Magdalena in Breslau, aus dem Jahr 1600 (heute im Breslauer Nationalmuseum).

Das vorgestellte Gemälde gehört nicht zu den einzigen Bildnissen des Kaisers in schlesischen Sammlungen. Die ähnlichen Ovalbildnisse, doch von mehr unbeholfener Kunstqualität sind im Museum des Glatzer Landes (Muzeum Ziemi Kłodzkiej) und im Erzdiözesanmuseum in Breslau aufbewahrt, wo sie nähere Erkenntnis erwarten.

Quellen:

[b.a.] Haupt – Buch. Heimat=Museum Jauer, 1928-1942 (Handschrift im Regionalmuseum in Jauer)

Kontextbibliographie:

Malarstwo śląskie 1520-1800. Katalog zbiorów, hg. von E. Houszka, Wrocław 2009.

P. Oszczanowski, J. Gromadzki, Theatrum Vitae et Mortis. Grafika, rysunek i malarstwo książkowe na Śląsku w latach ok. 1550-ok. 1650, Wrocław 1995.

Aufnahmen von: Arkadiusz Muła, Regionalmuseum in Jauer

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