Stiftungsglasfenster des Herzogs von Oels

Veröffentlichungsdatum: 02 / 03 / 2010

Beitragsverfasser:
  • Beata Fekecz-Tomaszewska (Architekturmuseum Breslau)

In der reichen Glasgemäldesammlung, die über viele Jahre von dem Breslauer Architekturmuseum gestaltet wird, ist eine keineswegs große (d.h. kaum einige zehn Stücke zählende), doch sehr wertvolle Sammlung von frühneuzeitlichen emaillierten Scheibchen sowie von Kabinettglasgemälden aus dem 16.-17. Jh. erwähnenswert, deren Herkunft auf alle Fälle in der Schweiz, bzw. in oberdeutschen Ländern zu suchen ist. Unter wenigen Objekten, die höchstwahrscheinlich aus Schlesien stammen, ist ein Kabinettglasfenster, mit dem Stadtwappen von Oels aus dem Jahr 1597, besonders beachtenswert.

Seit 1998 ist das eine Zierde der ständigen Ausstellung unter dem Titel „Architekturkunstgewerbe aus dem 12.-20. Jahrhundert“. Früher wurde dasselbe Glasgemälde bei der temporären Ausstellung zum Thema „Glasfenster der Frühen Neuzeit in den Kunstbeständen Polens“ präsentiert, die 1976 durch das Architekturmuseum veranstaltet wurde und erschien im bald herausgegebenen Ausstellungskatalog. Zum zweiten Mal wird das besagte Glasgemälde im imposanten Volumen erwähnt, welches im Jahre 2000, von Maria Starzewska herausgegeben wurde, aus Anlass der im Breslauer Nationalmuseum präsentierten Ausstellung zum Titel „Ornamenta Silesiae“. In den besagten Publikationen handelt es sich doch rein um Katalognoten. Mittlerweile, ist dieses zwar nicht große (37×24,5 cm), doch beachtenswerte Glasfensterchen, einer tiefgründigeren Bearbeitung wert. Anlass dazu bot die im Jahr 2002, durch das Architekturmuseum organisierte Ausstellung, die dem Glasfensterinstitut von Seiler gewidmet wurde, denn das Schicksal des Glasgemäldes mit dem Stadtwappen von Oels, vorübergehend mit Person und Atelier Adolph Seilers verflochten war.

Das 37×24,5 cm messende Glasgemälde, stellt das Stadtwappen von Oels dar: im roten Schild von Renaissanceschnitt befindet sich ein silberfarbiger Adler mit erstreckten Flügeln, Attribut des Stadtpatrons, d.h. des hl. Johannes Evangelisten (dessen Bild, seit dem 14. Jh., in den Stadtsiegeln zu sehen ist), der mit seinen Pfoten, ein Spruchband mit der Inschrift S.IOHANES hält. Über dem Schild sind ein goldener Helm und ein Helmzier in Form von drei auf einer Mondsichel ruhenden Türmchen zu sehen. Von dem Helm fallen die üppigen, rotsilbrigen Akanthushelmdecken hinunter. Den Wappenschild umfasst eine Schnittbogenarkade, die auf zwei blauen, mit Weintraubenblättern umwundenen Säulchen ruht. Die Arkade ist mit Beschlagwerkornament und mit einer Raute im Schlussstein verziert. Die Puttenknaben in den Bogenzwickeln halten die herzoglichen Herrschaftszeichen (links) und blasen in Trompeten (rechts). Ganz unten, im Kartuschenrahmen, befindet sich die Inschrift: SENATUS/POPULUSQ[UE] /OLSNE[NSIS] sowie die Jahreszahl 1597. Das Glasfenster wurde aus durchsichtigem, farblosem Glas hergestellt und mit Konturtinte, Edelrosttinte sowie mit Emailtinten von blauer und eisenroter Farbe bemalt. Im Helm- und Helmzierabschnitt wurde rotes Anstrichglas verwendet. Derjenige Abschnitt ist sicherlich Ergebnis der Restaurierung im 19. Jahrhundert, von der in weiteren Absätzen dieses Beitrags die Rede sein wird. Das Glasfensterchen aus Oels gehört zu den im 16. und 17. Jh. höchstbeliebten heraldischen Glasfenstertypen, mit einem Wappen in Arkadenrahmen, die auf die Form eines antiken Triumphbogens zurückreichen. Die Anknüpfung an die Kunst des Altertums ist für die Renaissanceepoche selbstverständlich, doch soll dasselbe Triumphbogenmotiv gleichzeitig den Wappeninhaber verherrlichen sowie die „Apotheose“ des Inhabers, in diesem Fall der ganzen Stadtgesellschaft von Oels veranschaulichen. Auf die letztere Funktion des Stadtwappens weist die Kartuscheninschrift hin, von antikisierenden, römischen Zügen. Das Glasfenster stammt höchstwahrscheinlich aus einer örtlichen, schlesischen Werkstatt, obwohl dies, aus allen mir bekannten Kabinettscheiben Schlesiens, sowohl mit dessen ausgesuchtem Kolorit als auch mit präziser und sorgfältiger Zeichnung hervorragt.

Es ist schon bekannt, dass das besagte Glasfensterchen, wie bereits erwähnt 1597 datiert, sich ursprünglich in der Schlosskirche (heutige Pfarrkirche St. Johannes Evangelist) in Oels befand, mitsamt zwei anderen, nach 1945 verschollenen Glasgemälden, mit Wappendarstellungen Karl II. Podiebraden (1545-1617) und seiner zweiten Gemahlin – Elisabeth geborener Piastin von Liegnitz-Brieg (1562-1585). Es kann deshalb zweifelsohne festgestellt werden, dass alle drei Glasfenster vom Herzog Karl II. beauftragt wurden. Man darf nicht vergessen, dass während seiner Regierung (1569-1617), die zweite Etappe des Schlossumbaus in Oels erfolgte. Den mittelalterlichen Sitz der Herzöge von Oels, errichtet nach 1322, ließ der Herzog Georg II. Podiebrad, 1542-1546 zum ersten Mal umbauen. Während der Regierung Karls II. ist ein neuer Wohnbau mit einem Innenhof und Kreuzgängen errichtet worden, dazwischen u. a. eine Vortorhalle sowie ein Korridor zur Schlosskirche führend. Als Zeugnisse der herzoglichen Bau- und Stiftungstätigkeit gelten die Wappen des Herrschers und dessen zwei Ehefrauen (Elisabeth und der ersten Gattin – Katharina von Sternberg), die an vielen Orten im Schlossgebiet zu finden sind, z. B. auf der Treppenbank im Westwinkel eingemauert sowie in der Bekrönung der Vortorhalle. Im Treppenhaus des Rathauses in Oels befinden sich die Sandsteinplatten aus derselben Zeitperiode: eine mit Wappenbildern von Karl II. und Elisabeth, eine mit den Wappen beider Ehefrauen des Herrschers und zwei mit dem Stadtwappen von Oels, alle wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jh. von ehemaligen Stadtmauern entfernt. Derselbe Herzog war auch Stifter der neuen Ausstattungsstücke für die Schlosskirche, u. a. der zierlichen manieristischen Kanzel von Gerhard Hendrik (1605), an deren Korb die Wappenbilder der Podiebraden von Fürstenberg-Oels und der Piasten von Liegnitz-Brieg zu sehen sind sowie der hölzernen Empore zwischen den Nordpfeilern der Kirche, aus den Jahren 1596-1607, auch mit Wappenbildern der Podiebraden und der mit ihnen verwandten Geschlechtern. Deswegen sind die drei oben erwähnten heraldischen Glasfenster, ursprünglich in den Fenstern derselben Schlosskirche, ein weiteres Zeugnis der Stiftungstätigkeit des Herzogs. Heute ist es ganz schwierig – im Hinblick auf fehlenden Quellenangaben – die ursprüngliche Lokalisierung der Glasfenster in der Schlosskirche nachzuvollziehen. Sie dürfen sich in den Fenstern (oder in einem Fenster) des Nordschiffs oberhalb der ihnen zeitgenössisch errichteten Empore befinden haben, diese Annahme ist doch durch keine Angaben belegt. Das weitere Schicksal der Glasfenster aus der Schlosskirche in Oels ist nur nach Stichproben bekannt. Wir wissen, sie wurden von Adolph Seiler mitsamt anderen Glasgemälden aus seiner Privatsammlung, dem Breslauer Museum Schlesischer Altertümer überliefert, und befanden sich ebenda seit 1868. Es ist nach wie vor unbekannt, wann und unter welchen Umständen Adolph Seiler die Glasfenster in Besitz ergriffen hatte. Sicherlich erfolgte dies nicht früher als um 1850. Im seinem Atelier (tätig seit 1846), wie bereits erwähnt, wurde das Glasgemälde mit den Stadtwappen von Oels restauriert, möglicherweise nach leichter Beschädigung beim Entfernen von einem Kirchenfenster. Vor allem wurden damals die bleiernen Leisten durch neuen ersetzt sowie wurde ein Abschnitt mit Antiken- und Anstrichglas ergänzt. In der Restaurierung fällt insbesondere die ungewöhnlich professionelle Durchführung auf, in Hinsicht auf Glas- sowie auf Farbenauswahl und – bezeichnenderweise – auf feines Stilgefühl.

1879 wurden die Sammlungen des Museums Schlesischer Altertümer in einen neuen Sitz überführt, d. h. in die Erdgeschossräume des Breslauer Museums der bildenden Künste. Die Gestaltung der Ausstellung endete im Mai 1881, die neu eingerichteten Räume wurden ebenfalls für Glasfenster bestimmt. In der Sammlungsbeschreibung von 1884, sind unter vielen anderen, auch drei Kabinettglasfenster aus Oels erwähnt. Der nächste Umzug erfolgte 1899, wo aufgrund des Abkommens von 1897, das ehemalige Museum Schlesischer Altertümer, unter die Stadtbehörde übertrat und vereinte sich gleichzeitig mit dem Museum für Kunstgewerbe, zu dessen Sitz das ehemalige Schlesische Ständehaus in der Neuen Graupenstraße (heutige ul. Krupnicza) bestimmt wurde. Seit diesem Zeitpunkt bis einschließlich 1943 (wo das Museum aus Sicherheitsgründen geschlossen wurde), befand sich die Sammlung in der neuen Einrichtung und zwar im Schlesischen Museum für Kunstgewerbe und Altertümer. Das Museumsgebäude in der Neuen Graupenstraße wurde, gemäß dem deutschen Regierungsbefehl, noch während der Stadtbelagerung zerstört. Die Sammlungen wurden teilweise vernichtet, teilweise infolge der Kriegshandlungen sowie der Nachkriegsverwirrung zersplittert. Unter den geretteten und heute im Breslauer Nationalmuseum aufbewahrten Objekten befanden sich auch Glasfenster, doch fehlten unter ihnen die Glasfensterchen aus Oels. Auf dasjenige mit dem Stadtwappen von Oels stieß Prof. Olgierd Czerner (damaliger Direktor des Architekturmuseums) in den siebziger Jahren, in einer Privatsammlung in Krakau. Was mehr – gelang es ihm, das besagte Glasfenster fürs Breslauer Museum zu gewinnen.

Leider ist das Schicksal der sonstigen zwei Glasgemälde mit den Wappen des Herzogspaars unbekannt. Fielen sie zum Opfer der Kriegsverwirrungen? Oder haben sie den Krieg überstanden und erwarten die Wiederentdeckung? Oder trägt vielleicht dieser Text zum Aufgeben des Rätsels bei?

Bibliographie:
Beata Fekecz-Tomaszewska, Witraże nowożytne w zbiorach polskich, Wrocław 1976.

Beata Fekecz-Tomaszewska, Witraż fundacyjny oleśnickiego księcia, In: „Witraż”, Nr. 2-3/2002.

Bohdan Guerquin, Zamki w Polsce, Warszawa 1974.

Katalog zabytków sztuki w Polsce. Województwo wrocławskie. Oleśnica, Bierutów i okolice, Warszawa 1983.

Magda Ławicka, Zapomniana pracownia. Wrocławski Instytut Witrażowy Adolpha Seilera (1846-1945), Wrocław 2002.

Muzea sztuki w dawnym Wrocławiu, Wrocław 1998.

Ornamenta Silesiae. Tysiąc lat rzemiosła artystycznego na Śląsku, hrsg. von Maria Starzewska, Wrocław 2002.

„Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift”, Breslau 1870, Bd. IV, Breslau 1884

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