August 2010: Hendrik Goltzius "Danae auf Zeus wartend"

Veröffentlichungsdatum: 28 / 07 / 2010

Beitragsverfasser:
  • Magdalena Palica

Das großdimensionale Leinwandbild im Jahr 1603 von Goltzius geschaffen, wird als eines der vollkommensten Aktbilder aus dem 17. Jahrhundert bezeichnet.

Mit jenem Gemälde waren schon die Zeitgenossen des Künstlers begeistert. Der flämische Kunsttheoretiker Karel van Mander, Verfasser der Biographien der niederländischen Künstler, verewigte in seinem Werk eine begeisterungsvolle Meinung über das Gemälde Goltzius’, welches ihm zeitgenössisch entstand, indem er eine perfekte Wiedergabe des nackten Körpers betonte. Als Vorbilder für die Gestalt Danaes, galten die Aktbilder Tizians und Skulpturen Michelangelos, die der Künstler während seiner Reise nach Italien, in den Jahren 1590-1591 bewundern konnte. Gerade damals entstand u. a. eine Skizze seiner Urheberschaft, Ariadna im Schlaf, aus den vatikanischen Sammlungen darstellend. Es mag sein, dass jene Skulptur den Maler inspirierte, Danae im Schlaf zu schildern.

Das Leinwandgemälde von Goltzius stellt eine Szene aus der Geschichte Danaes dar, die u. a. in den Metamorphosen Ovids erzählt und durch zahlreiche Künstler geschildert wurde. Danae wurde in einem Palastturm eingeschlossen, von ihrem Vater Akrisios, König von Argos. Deren Einsperren sollte den Herrscher vor der Verwirklichung der Wahrsagung schützen, nach der er vom eigenen Enkelkind getötet werden sollte. Jener Umstand störte doch den allmächtigen, mit sinnlicher Schönheit des Mädchens bezauberten Zeus nicht, beim tückischen Eintreten in den Gefängnisraum, in Gestalt des goldenen Regens. Die Frucht jener Liaison war Perseus. Der verzweifelte Akrisios suchte Danae und ihren Sohn umzubringen, indem er die beiden im verschlossenen Schrein ins Meer warf, sie wurden doch durch wunderbare Vermittlung Zeus’ errettet. Viele Jahre später gingen die Worte des Orakels in Erfüllung, indem Perseus seinen Großvater mit einem Diskus getötet hat.

Der Maler wählte jenes Moment, wo die Königstochter in einem leeren Raum ruht. Im Vordergrund sind die präzis wiedergegebenen prunkvollen Gegenstände zu sehen, ein Stillleben bildend: ein prachtvolles Kästchen mit Goldmünzen und Schmuckstücken, ein Paar Seidenpantoffeln mit Perlen verziert, ein kostbarer goldener Pokal mit der Bacchusfigur auf dessen Spitze und ein Gefäß aus dünnem Glas. In der linken oberen Kompositionsecke erscheint der Gesandte Zeus’ – der Adler einen Blitz in seinen Fängen haltend, der eine Macht hatte, die Gegenstände ins Gold zu verwandeln. Merkur, Patron der Kaufleute, der sich an der Seite der Hauptprotagonistin offenbart, galt seit den Zeiten van Manders als Hinweis, um das ganze Gemälde als Metapher der Reichtumskraft zu interpretieren. Jedoch sind manche Forscher in der letzten Zeit, von derjenigen Stellung abgewichen, indem sie vorschlugen, das Gemälde hätte gar keine moralisierende Aussage, die Gestalt Merkurs dagegen könnte gleichermaßen als Personifikation der Eloquenz und beißenden Witzes gelten.

Das hervorragende Werk Goltzius’ befand sich seit seiner Entstehungszeit anfangs des 17. Jahrhunderts, über fast zweihundert Jahre in den Händen der Amsterdamer Sammler, darunter im höchst bekannten Kunstkabinett Gerrit Braamcamps (bis 1771). Vor 1778 gelangte es in die Sammlung des Fürsten Peter Birons und ein Jahrzehnt später wurde es mit der ganzen Sammlung nach Sagan überführt, wo es über zwei weitere Jahrhunderte bewundert werden konnte.

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