Dezember 2010: Édouard Manet „Porträt Petruisets – des Löwenjägers”

Veröffentlichungsdatum: 03 / 11 / 2010

Beitragsverfasser:
  • Magdalena Palica

Das großformatige „Porträt Petruisets – des Löwenjägers” entstand im Jahr 1881, zwei Jahre vor dem Tod des Künstlers. Manet, der über sein ganzes Leben nach Anerkennung der Jury des Pariser Salons gestrebt hatte, gewann sie erst dank diesem Werk, welches ihm eine lange erwartete Medaille gebracht hat. Der von Manet verewigte Eugène Petruiset, war eine sehr bildhafte Persönlichkeit, die viele Verfasser inspirierte (er wurde u. a. durch Jules Verne, in der Erzählung „Zehn Stunden der Jagd“ herbeigerufen). Im Jahr 2008 ist jenes Abenteuersucher Protagonist des Romans von Olivier Rolin geworden, der viele Zeilen der Freundschaft des Porträtierten mit dem Künstler gewidmet hat.

Petruiset war Weltreisender und Erfinder. Während seiner Expeditionen nach Südafrika, genoss er ganz besonders die Jagd der Raubtiere, womit er sich in Pariser Salon protzte. Er gehörte zu Verehrern Manets und besaß in seiner Sammlung einige Leinwandbilder von diesem Künstler, der ihn bereits 1877 in sein Atelier einlud, um dessen Porträt zu schaffen. Petruiset nutzte doch diese Gelegenheit erst drei Jahre danach. Das Modell ist im Manets Garten verewigt worden, in dem die riesengroße Silhouette eines niedergeschossenen Löwen ganz groteskartig erscheint. Ironisches Lächeln erweckte bei den Betrachtern, auch der deutsche Jägergewand, welcher eher im Schwarzwald als auf tansanischen Ebenen zu sehen wäre und besonders lustig sah der tirolische Jägerhut aus, auf dem Kopf einer untersetzten Figur des Franzosen. Ebenfalls war das Monogramm Manets auf einem Baumstamm, ähnlich wie in Baumrinde geschnittene Unterschriften der Verliebten, Grund zu Gespött (eine Karikatur, über dieses Bildelement spottend erschien bald im „Le Journal amusant“). Manche Zeitgenossen Manets, unter ihnen z. B. Renoir, behaupteten der Künstler höbe absichtlich die Lächerlichkeit des Porträtierten hervor. Auf jenes Motiv bezieht sich Oliver Rolin in seinem Buch, als er schreibt: „Petruiset perorierte spuckend: über die Expedition, die er ins Feuerland vorbereitete, über wilde Kannibalen, über die Menschlichkeitsfortschritte im Namen der Heimat, über Zivilisationen am Weltende, über seine Berufung zur Weltaufklärung. Manet hörte jene ungereimte Prahlerei belustigt zu. Schade, dass die Worte nicht gemalt werden können. Stattdessen – denkt Manet – kann ich den Mund malen, der diese Worte ausspricht. Es ist wahr, dass Petruiset einem Gnu ähnlich ist, das heißt gleichzeitig einem Ochsen, einem Hirsch und einem Pferd. Ein Gnu, das einen Löwen niederwirft, das wäre lächerlich. Ich male also noch einmal die Vulgarität, doch diesmal nicht zärtlich, wie ich einen Biertrinker gemalt habe; ich porträtiere Petruiset so, dass seine Lächerlichkeit auffällt.“ [Oliver Rolin „Un chasseur de lions“]. Jedoch, unabhängig von irgendwelchen Kritiken der Darstellungsschicht, wurden die pittoresken Werte des Gemäldes nie in Frage gestellt und diese gerade entschieden von der Aufzeichnungsgewährung dem Künstler.

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