Februar 2011: Meister der Argonautentafeln "Geschichte von Amor und Psyche"

Veröffentlichungsdatum: 01 / 02 / 2011

Beitragsverfasser:
  • Magdalena Palica

Zwei Gemälde, die die Geschichte von Amor und Psyche veranschaulichen und einst in der Sammlung der Grafen von Ingenheim zu sehen waren, sind Beispiele für eine besondere Kunstgattung in Italien der Renaissance, nämlich die cassoni Malerei.

Es handelte sich um figürliche Schmuckelemente der Schreine, die in den meisten Fällen aus Anlass der Eheschließungen entstanden. Spätestens gegen die Hälfte des Quattrocento bildete sich ein Gebrauch des Tragens im Traugefolge, eines reich verzierten Schreins, welcher als Sinnbild der von Braut eingebrachten Aussteuer galt. Nach der Hochzeitszeremonie gelangte ein solcher Schrein ins Schlafgemach der Neuvermählten.

Im frühen 19. Jahrhundert ist unter den Sammlern, die Italien besuchten, wachsendes Interesse an die cassoni Malerei zu bemerken. Zu den ersten Sammlern, die jene Art Malerei in größerem Ausmaß zusammentrugen, gehörten Giovanni Pietro Campana (er verlieh sogar seinen eigenen Namen einem anonymen Künstler, der heute unter dem Notnamen Meister der Campana Cassoni auftritt), J. A. F. Artaud de Montor, James Jackson Jarves und Federico Stibbert (im florentinischen Museum seinen Namen tragend, sind die Kunstwerke zu bewundern, die durch jenen Sammler zusammengetragen worden sind). Unter den mit cassoni Begeisterten sind auch einige Briten zu nennen, unter denen zu den höchst anerkannten gehörten: John Charles Robinson (ein langjähriger Direktor des Victoria & Albert Museums), Lord Lindsey und Robert Holford. Unter den Kennern und Sammlern der cassoni Malerei war auch Franciszek Lanckoroński, manche Gemälde, die zu ihm ehemals gehörten, befinden sich heute im Schloss auf dem Wawel. Unter denjenigen Bildern ist eine Seitenwand des Schreins zu erwähnen, das sog. fianco, dem gleichen Möbelstück angehörig, dem die Gemälde aus der Sammlung von Ingenheim herkommen.

Die Geschichte des Sammelwesens der cassoni Malerei ist nach wie vor nicht niedergeschrieben worden, doch ist in derjenigen zweifellos der Graf Gustav Adolph von Ingenheim zu berücksichtigen, der zu den Vorläufern dieser Mode gehörte. Während seiner Reise in Italien gelang es ihm, für seine Privatsammlung mindestens fünf ehemalige cassoni Gemälde zu gewinnen. Zwei Bilder, damals als Werke von Piero di Cosimo erklärt und die Geschichte von Tobias darstellend sowie eines mit Szenen aus dem Leben der hl. Lucia, mussten von dem Sammler zwangsläufig, umgehend nach deren Erwerbung verkauft werden. Die dem Künstlerpaar Giuliano Bugiardini und Francesco Granacci zugeschriebenen Gemälde, mit alttestamentarischen Szenen, gelangten damals in die Berliner Museen und zwei von denen stehen heute zur Schau in der Berliner Gemäldegalerie (das dritte wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört). Trotz seinen Finanzschwierigkeiten hat sich der Graf von seinen Gemälden, durch Meister der Argonautentafeln geschaffen (während des Sammlers Lebens Sandro Botticelli zugeschrieben), nicht getrennt. Jener Umstand nimmt gar nicht wunder, denn jenem Künstler gelang es, die bezaubernden Bildkompositionen zu schaffen. Zahlreiche mythologische Gestalten sind mit prachtvoller Renaissancetracht bekleidet und in weit erstreckten, fast märchenhaften Landschaftsräumen dargestellt (die eher für lyrische und archaisierend wirkende Malerei der sienesischen Schule vom Kreis Francesco Sassettas, als für die Florentiner Schule typisch sind). Für die meisten Bauwerke wählte der Künstler ein untypisches Kolorit (er stellte Rosa und Grün zusammen), welches nebst der prunkhaften Tracht der Gestalten, einen mit Farben schwingenden Ausdruck der Gemäldeflächen macht. Es ist ganz wahrscheinlich, dass die Gemälde in Florenz entstanden sind, worauf die Wappen der Medici an den Fassaden der Bauten hindeuten. Es gibt doch keine eindeutigen Hinweise darauf, dass deren Entstehung auf eine Trauung in der herzoglichen Familie zurückzuführen ist. Das Gemäldepaar ist nicht nur nennenswert, wegen dessen ästhetischer Qualität, sondern auch wegen der Tatsache, dass es sich ums früheste uns bekannte Beispiel aus der Frühen Neuzeit handelt, für die bildliche Veranschaulichung einer Geschichte aus den Ovidius’ „Metamorphosen“, die als Vorbilder für eine Reihe der späteren Bildkompositionen zum gleichen Thema diente.

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