Januar 2011: Giorgio Andreoli, Teller mit musizierendem Putto

Veröffentlichungsdatum: 07 / 01 / 2011

Beitragsverfasser:
  • Magdalena Palica

Eine Zierde des von Grafen von Ingenheim bewohnten Palastes in Resewitz, war einst das Tondo aus Majolika, welches durch Giorgio Andreoli geschaffen worden war, einen der wichtigsten Hersteller der geschmückten Fayencestücke in Italien der Renaissance.

Andreoli, geboren zwischen 1465 und 1470 in Norditalien, auch unter dem Namen Mastro Giorgio bekannt, verbrachte sein Leben größtenteils in Gubbio. Er ließ sich dort 1490 mit seinen Brüdern nieder, mit denen er eine Werkstatt eröffnet hat. Nach kaum acht Jahren erhielten sie, als Anerkennungszeichen für ihre Leistungen, den Bürgerstatus, welcher durch den Papst Leo X. unbefristet bestätigt wurde. Gubbio, berühmt gemacht von den Brüdern, ist bald zu einem der wichtigsten Zentren der Keramikherstellung auf der Apenninhalbinsel geworden. Die Gefäße, hergestellt in anderen Städten Italiens, wurden nach Gubbio zum Verglasen verschickt. Nach dem Tod des Mastro Giorgio, leiteten die Werkstatt seine Söhne und später Enkelsöhne.

Als Kennzeichen der Gefäße, die der Werkstatt der Familie Andreoli herkamen, galt die lustro Technik. Die Lüster entstanden durch die Rückbrennung des Geschirrs, das vorher mit Metalloxiden überzogen wurde. Diese Art Verglasung, dank der der irisierende Überzug entstand, war in muslimischen Ländern schon bekannt, ins Europa gelangte sie durch Vermittlung der arabischen Handwerker, die sich auf der Apenninhalbinsel niederließen. Im frühen 16. Jahrhundert verbreitete sich die lustro Technik im Gebiet Italiens, insbesondere dank den Werkstatterzeugnissen von der Familie Andreoli, die sich mit charakteristischem Rubinen- und Goldglanz auszeichneten. Ein glänzendes Beispiel jener Art Majolika ist gerade der Teller mit Darstellung eines musizierenden Puttos, aus der ehemaligen Sammlung der Grafen von Ingenheim. Die Metalloxide, die bei der Rückbrennung verwendet worden waren, trugen zum Erreichen der deutlichen, schillernden Farben auf der Gefäßfläche bei. Neben der üppigen Ornamentierung, die sich vom dunklen Hintergrund abtrennt, gilt als Virtuositätszeichen der neuen Technik auch die zentrale Szene, ein Flöte spielendes Putto in der Meereslandschaft darstellend. Trotz deren winzigen Dimensionen, ist diese monochromatische Komposition äußerst gut erarbeitet, z.B. wurde die Muskulatur des spielenden Knaben durch den Helldunkel hervorgehoben. Jenes Gefäß, das einst im Reisewitzer Palast untergebracht wurde, gehörte zu den Fayencestücken mit einfacherer Dekorierung, unter denen, die in der Werkstatt Andreolis entstanden sind. Zu deren charakteristischen Erzeugnissen gehörte nämlich die sog. maiolica istoriato, d.h. die Majolika, die mit narrativen Szenen verziert wurde. Solche Werke wurden mit Verwendung eines breiteren Farbenspektrums hergestellt, im Vergleich zum präsentierten Teller, wurden außer Gelben und Roten auch Grün und blauen Töne verwendet. Die Kunststücke dieser Art wurden 2010, in einer Ausstellung „Die Keramik Raffaels. Majolika istoriato aus den polnischen Sammlungen“ im Nationalmuseum in Warschau präsentiert (allen, die an jene Thematik Interesse haben, wird die Lektüre des Katalogs mit dem gleichen Titel empfohlen, herausgegeben von dem Ausstellungskustos, Ewa Katarzyna Świetlicka).

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