Juli 2010: Taddeo Gaddi "Tod des Adeligen aus Celano"

Veröffentlichungsdatum: 30 / 06 / 2010

Beitragsverfasser:
  • Magdalena Palica

Giorgio Vasari schrieb in „Das Lebens Giottos” über den Bildzyklus in einer der Florentiner Kirchen: „In Santa Croce […] an den Schränken der Sacristei [sind] aber Darstellungen aus dem Leben Jesu und des heiligen Franciskus“. Die heute geltende Zuschreibung dieser Malereien an Taddeo Gaddi wurde erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch den bekannten italienischen Kunsthistoriker Giovanni Battista Cavalcaselle vorgeschlagen.

Der Forscher unterstrich die vollkommene Komposition der einzelnen Täfelchen, die ihm zufolge darauf hinweist, dass diese nach den Vorzeichnungen Giottos entstanden sind. Auch andere Experten, darunter Henry Thode, betrachteten diese Werke als eine der größten Leistungen Gaddis, angefertigt – so Thode – „unter Aufsicht Giottos“.

Das besprochene Bild stellt den hl. Franziskus dar, der den während des gemeinsamen Abendmahls verstorbenen Adeligen aus Celano segnet. In der oberen Partie der Komposition wurde die von Engeln getragene Seele des Verstorbenen auf symbolische Weise dargestellt, welche dank der Vermittlung des Heiligen Erlösung erlangte. In dem im Vierpaß geschlossenen Gemälde zeigt sich die hohe Begabung Gaddis, der zu recht als einer der besten Schüler Giottos betrachtet wird. Trotz der kleinen Ausmaße des Werkes und Anwendung des traditionellen goldenen Hintergrundes, ist es dem Maler gelungen, den Eindruck der Dreidimensionalität zu erzeugen. Die mit differenzierten Gesichtern gekennzeichneten Figuren führen einen stummen Dialog mit Gesten, die ihre Emotionen ausdrücken. Gleichzeitig durch die Beschränkung der Zahl der Figuren – im Vergleich zum Werk Giottos, das hier als Vorbild diente – verlieh Gaddi der Szene eine intime Atmosphäre. Im Werk des Künstlers fällt auch seine Liebe zum Detail auf: die Wände des Raumes sind durch sorgfältig ausgemalte Wappenschilde dekoriert und auf der Tischdecke liegen die für das Abendessen vorbereiteten Viktualien, die man gut identifizieren kann. Der Maler sorgte auch für die richtige Auswahl der Gewänder aller Dargestellten: die Kleidung des Edelmannes ist mit Pelzaufschlägen verziert und die Gesichter der Frauen sind durch das charakteristische Gebende umhüllt.

Auf den 26 Bildern, die zwischen 1335 und 1340 entstanden sind, wurden die Szenen aus dem Leben Christi und des heiligen Franziskus von Assisi dargestellt. Der Zyklus mit der Vita des Poverello, aus dem das besprochene Bild stammt, griff ein damals relativ neues Thema auf (Franziskus wurde 1228 heilig gesprochen). Das ikonographische Schema der Darstellung des Lebens von Francesco Bernardone wurde in dem bahnbrechenden Freskenyzklus aus der oberen Kirche in Assisi herausgebildet. Gaddi orientierte sich aber direkt an den Malereien Giottos aus der Bardi-Kapelle in der gleichen Kirche in Florenz, für deren Sakristei er die besprochenen Werke anfertigte. Außer den Szenen aus dem Leben Christi und des heiligen Franziskus gehörte zur Verzierung der Schränke wahrscheinlich noch eine im Zentrum platzierte Verkündigungsszene mit Maria und dem Erzengel Gabriel.

Die Malereien befanden sich in der Kirche Santa Croce bis 1810, als das Kloster säkularisiert wurde. In der zweiten Oktoberhälfte des gleichen Jahres wurden sie im Florentiner Kloster San Marco untergebracht, von wo ein größerer Teil 1814 in die Galleria dell’Accademia gelangte. Vier Bilder wurden den in Florenz wirkenden Antiquitätenhändlern Brogi und Volpini im Tausch übergeben. Im Jahre 1816 kam dort, in Begleitung von Aloys Hirt, dem großen Kenner italienischer Malerei, der Graf Gustav Adolf von Ingenheim an, der gerade mir der Gestaltung seiner eigenen Sammlung begann. Der Sammler erinnerte sich später, dass er eben dem geübten Auge Hirts verdankte, die zwei Bilder mit den Szenen aus dem Leben des heiligen Franziskus („Tod eines Adeligen aus Celano“ und „Feuerprobe vor dem Sultan“) herausgesucht zu haben. Zwei andere Bilder aus dem gleichen Zyklus, die damals auf den antiquarischen Markt kamen, wurden von einem anderen bekannten preußischen Sammler und Forscher italienischer Malerei, Karl Friedrich von Rumohr, erstanden. Zehn Jahre später wurden die besprochenen Bilder auf einer Ausstellung der Sammlung von Ingenheims in Dresden präsentiert. Die imposante Sammlung der Bilder und Antiquitäten, die von Ingenheim zusammengetragen hatte, kam in der 2. Hälfte des 19. Jh. mit seinen Nachkommen nach Schlesien: in das Schloss in Reisewitz bei Neisse und in die Villa in Hirschberg. Die Gemälde Gaddis gelangten in das Schloss in Reisewitz und für mehrere Jahrzehnte waren sie den Forschern nicht zugänglich. Erst die wirtschaftliche Krise der 1930-er Jahre zwang die Besitzer, einige wertvolle Kunstwerke zu verkaufen. Im Jahre 1935 nahm die deutsche Forscherin Klara Steinweg Kontakt mit der Familie von Ingenheim auf, mit der Frage, welche Schätze das Reisewitzer Schloss birgt. Unter der an sie gesendeten Fotografien befanden sich auch Aufnahmen der zwei Bilder Gaddis, denen die Kunsthistorikerin einen monographischen Artikel widmete. Im Jahre 1940 gelangten die Gemälde in die Münchner Alte Pinakothek, wo sie sich bis heute befinden.

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