Juni 2010: Vincent van Gogh "Garten in Auvers"

Veröffentlichungsdatum: 30 / 05 / 2010

Beitragsverfasser:
  • Magdalena Palica

Vincent van Gogh verbrachte seine zwei letzten Lebensmonate in Auvers-sur-Oise, unter der Obhut von Dr. Paul Gachet, den der Künstler in zahlreichen Leinwandgemälden verewigt hat. Für den Maler war das sehr arbeitsame Zeit, es wird geschätzt, dass damals aus seiner Hand, jeden Tag ein neues Leinwandbild herkam.

Ein Teil der Kritiker und Werkkenner van Goghs bezweifelt doch die Authentizität mancher damals entstandenen Bildkompositionen, mit der Frage, inwiefern es möglich wäre, dass der Maler mehr als siebzig Bilder, innerhalb siebzig Tage vor seinem selbstmörderischen Tod geschaffen hätte. Die Zweifel bestehen auch hinsichtlich eines Gemäldes, von denen, die einst der Sammlung Leo Lewins in Breslau angehörig waren. Es handelt sich ums 1890 (im Juli dieses Jahres) entstandene Leinwandbild mit Darstellung eines Gartens.

Die Echtheit jenes Bildes wurde mehrmals in Frage gestellt. Als 1992 das Leinwandgemälde, durch dessen langjährigen Besitzer Jacques Walter, zur Versteigerung in Paris erstellt wurde, erkannte es die französische Regierung für ein nationales Kulturgut und verbot dessen Abtransport ins Ausland, doch verzichtete gleichzeitig aufs ihr zustehenden Vorkaufsrecht. Es bestanden damals Zweifel bezüglich der Echtheit des Leinwandbildes, die zu dessen drastischen Preissenkung beigetragen haben. Endgültig fand sich ein Käufer, der jenes Bild für den erschwinglichen Preis von 55 Millionen Franken erwarb (der estimierte Preis betrug ursprünglich 200 Millionen Franken, das sind 30 Millionen Dollars). Das Oberste Gericht Frankreichs schrieb damals dem Staat vor, den Nachkommen Walters eine Entschädigung in Höhe von 145 Millionen Franken auszubezahlen. Als vier Jahre später, die Nachkömmlinge des folgenden Bildinhabers, des Bankiers Jean-Marc Vernes, jenes Gemälde zur Auktion erstellen wollten, wurde dessen Authentizität durch Medien wieder in Frage gestellt, weswegen sich keine Erwerbungswilligen gefunden haben. Um endgültig zu entscheiden, ob es sich bei diesem Bild ums Original handelt, wurde es 1999 durch die Experten von „Reunion des Musées Nationaux“ einer gründlichen Untersuchung unterzogen und folgendermaßen für zweifelsohne eigenhändiges Werk des Künstlers erkannt.

Das Leinwandbild mit der Gartendarstellung, kurz vor dem Tod des Künstlers entstanden, zeichnet sich mit ungewöhnlicher Sanftheit aus, im Vergleich zu anderen Bildern aus derselben Zeit (vgl. u. a. die dramatischen „Raben über einem Getreidefeld“, im van Gogh Museum in Amsterdam aufbewahrt). Das Gemälde, einst der Sammlung Leo Lewins angehörig, zeigt einen Pfad und einige Blumenrandbeete auf einem schrägen Rasen. Die Ansicht wird durch einen Buchsbaumhag verschlossen. Das getönte Kolorit des Leinwandbildes, von zahlreichen Schimmern der Grünen und Blauen beherrscht, wird einzig durch ein Paar winzige rote Flecken belebt. Goldige Sonnenstrahlen sinken auf den Pfad im unteren Bildteil, der wie in Pointillismus geschaffen, mit Licht zu schwingen scheint. Auch die übrige Bildfläche wurde mit kurzen und sanften Pinselstrichen bemalt (z. B. die roten Blumen). Die für jenen Künstler so kennzeichnende Schwungvölle und Ausdruckskraft fehlen in diesem Bild. Die dekorative Bildkomposition verliert im oberen Bildteil an ihrer Leichtigkeit. Es scheint, als ob der Künstler, beim Malen des dunkelsten Gemäldeteils mit dem Hag, durch Gemütsbewegungen ergriffen würde, deren Wiedergabe gerade mit nervösen, abgebrochenen schwarzen Pinselstrichen möglich war. Der Maler war doch mit unzähligen Blumen umgeben und stand in einem durch Sonne überströmten Garten. Wenige Tage nach der Anfertigung dieses Leinwandbildes beging van Gogh Selbstmord.

Bibliographie:

Stephan Koldehoff, Van Gogh: Mythos und Wirklichkeit, Köln 2003

Ingo F. Walther, Rainer Metzger, Vincent van Gogh: sämtliche Gemälde, Köln 2006

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