März 2011: „Heilige Dreifaltigkeit mit Hl. Elisabeth, Johannes dem Täufer und Taube“

Veröffentlichungsdatum: 22 / 03 / 2011

Beitragsverfasser:
  • Magdalena Palica

1608 kehrte der dreißigjährige Rubens von Rom in seine Heimatstadt Antwerpen zurück. Der Einfluss italienischer Kunst äußerte sich sehr deutlich in seinen in folgenden Jahren entstandenen Werken. Kurz nach dem Verlassen der Ewigen Stadt malte der Künstler das Leinwandbild die Heilige Dreifaltigkeit darstellend, welches über ein Jahrhundert, Zierde des Palastes des Geschlechts von Kospoth in Briese war.

Das Gemälde mit großer Ausdruckskraft, verdankt ganz viel der Kunst Raffaels und Giulio Romanos. Als Kompositionsvorbilder dienten ihm die Darstellungen der Heiligen Sippe mit der Hl. Anna, die im besagten Gemälde von Rubens durch die Gestalt der Hl. Elisabeth ersetzt wurde. Ihr realistisch geschildertes Gesicht, mit sonnenverbrannter Haut und von Falten durchzogen, deutet darauf hin, dass der Antwerpener Künstler sich mit der Kunst der ihm zeitgenössischen italienischen Maler, insbesondere Caravggios inspirieren ließ. Rubens kannte zweifelsohne das Leinwandgemälde aus der Sammlung Barberini, Judith dastellend, indem sie das Haupt Holofernes abschneidet sowie das „Abendmahl in Emaus“ von 1606 (heute in der Mailänder Brera, in der Rubenszeit hingegen in der Sammlung von Markgraf Patrizi aufbewahrt), die Gestalt der Hl. Elisabeth gilt als Huldigung, die Rubens Michelangelo Merisi darbot. Demselben Maler entnahm Rubens die Farbenwahl zur Bildkomposition, die deren Klarheit der Verwendung von Grundfarben (Rot und Blau) auf großen Gewebeflächen verdankt. Der Kontrast wird auch durch scharfes Licht verstärkt, welches die Figuren von dunklem Hintergrund hervorbringt. Die Bildkomposition von Rubens steht sehr nahe dem Gemälde von einem Nachfolger Caravaggios, Orazio Borgianni aus derselben Sammlung Barberini, zum gleichen Thema der Heiligen Sippe mit Hl. Johannes dem Täufer, der dem Christuskind eine Taube überreicht, in Begleitung der Hl. Elisabeth.

Trotz vielen Entlehnungen von der italienischen Malerei erscheint das Leinwandgemälde schon im ersten Augenblick als Werk eines flämischen Künstlers. Als einer der kennzeichnenden Züge gelten die Kinder mit blonden lockigen Haaren und molligen Körperchen, die häufig auftreten in den Bildern eines Künstlers, der selbst mit zahlreicher Nachkommenschaft beschenkt wurde. Im Vergleich zum Leinwandbild von Borgianni atmet die Bildkomposition Rubens' Leben und Unbezwungenheit, die sich ganz besonders in Gebärden der Kinder beim Streit ums Halten des Vogels äußern. Bei dem italienischen Maler scheint die Taube, die künftige Marter Christi versinnbildlichend, ein beigesetztes Attribut zu sein, bei dem Flamen hingegen spielt sie im Gemälde eine Schlüsselrolle, indem ihr die Posen aller Figuren untergeordnet sind. Bereits in der frühen Schaffensphase Rubens' äußert sich seine ungewöhnliche Begabtheit im Bauen der kohärenten und dynamischen Bildkompositionen.

Jenes hervorragende Leinwandbild von Rubens belegt, wie hohe Kunstqualität die Sammlung des Geschlechts von Kospoth in dessen Palast von Briese vertrat. Es ist noch erwähnenswert, dass bis zum Zweiten Weltkrieg sich in demselben Palast immer einige zehn Leinwandbilder befanden, unter denen die Gemälde von Adriaen van de Velde, Jan Steen, Dirk Maes, Jacob Gerritsz Cuyp, Jacop Jordaens sowie ein Porträt Rembrandt zugeschrieben. Der Barockpalast starrt heute in Trümmern und von dem Terassengarten im französischen Stil, der das Gebäude ursprünglich umgab, sind nur Spuren erhalten geblieben. Die mythologischen Statuen, die ehemals zwischen den Blumenbeeten standen, sind heute im Park von Wilanów bei Warschau zu sehen.

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