Mai 2010: Edgar Degas "Balletttänzerinnen"

Veröffentlichungsdatum: 20 / 04 / 2010

Beitragsverfasser:
  • Magdalena Palica

Die Bildkomposition von Degas, sechs Tänzerinnen auf Bühne darstellend, entstand höchstwahrscheinlich in den frühen 1880-er Jahren. Rund fünfzig Jahre später gelangte jenes Gemälde in die Sammlung eines Breslauer Kunstsammlers Max Silberberg.

Silberberg schaffte einige Werke von dem bekannten französischen Maler zu versammeln. Außer den „Balletttänzerinnen”, waren Zierde seiner Sammlung auch Pastellgemälde „Nach dem Bad” (heute kann man es im Pariser Musée d’Orsay bewundern) sowie eine im Schaffen des Künstlersnie untypische „Landschaft mit Schornsteinen”.

Einer der Kunstkritiker, der die Sammlung des Breslauer Industriellen beschrieben hatte, war unter allen von ihm besessenen Werken von Degas, ganz besonders mit Darstellung der „Balletttänzerinnen“ entzückt, indem er das Ergebnis, durch den Künstler erreicht, den Werken des Rokokomalers Jean-Antoine Watteau gleichsetzte. Auch andere Kunstkenner, unter denen Ernst H. Gombrich, waren der Meinung, dass gerade in Bildkompositionen mit tanzenden Mädchen, die des französischen Malers, ihre echte Höhe erreicht habe.

„In seinen Bildnissen strebte er nach Raum- und Bildförmigkeitseffekt, indem er gleichzeitig nach höchst überraschenden Ansichten griff. Deswegen bevorzugte er mehr als Landschaften, Themen dem Ballet nahe stehend. Als Degas Proben beobachtete, hatte er die Gelegenheit, verschiedene Haltungen zuzuschauen, die von menschlichen Körpern angenommen wurden. Als er die Bühne von oben beobachtete, sah er tanzende und sich erholende Mädchen, studierte komplizierten perspektivischen Abkürzungen und die Einwirkung der Bühnenbeleuchtung auf Körpermodellierung […]. Seine Gemälde erzählen nie eine Geschichte. Die Balletttänzerinnen interessierten ihn gar nicht deshalb, weil sie schöne Mädchen waren. Es scheint, als ob er keinen Wert auf ihre Stimmungen legte. Er beobachtete sie mit gleichem gelassenem Objektivismus, mit dem die Impressionisten auf Landschaften schauten. Für ihn war nur wichtig, wie sich Licht und Schatten auf menschlichen Körper legten und inwiefern der Bewegungs- und Raumeffekt erreicht werden könne. Er überzeugte das akademische Milieu, dass die neuen Grundsätze, die durch jungen Künstler eingeführt wurden, mit perfekter Zeichnung versöhnt werden konnten, doch um dieses zu erzielen, müssen die ganz neuen Probleme gelöst werden, denen nur ein echter Meister gerecht werden könne“ [zit. nach E. H. Gombrich, O sztuce, übers. von Agnieszka Kuczyńska, Warszawa 1997, S. 526-527].

Das Gemälde aus der Sammlung des Breslauer Industriellen ist ein Beispiel für spannende Maltechnik, die durch Degas verwendet wurde. Sie basierte grundsätzlich auf Monotypie, auf der mittels trockenen Pastells, eine definitive Bildkomposition geschaffen wurde, wodurch tiefe Farbensättigung und Klarheit erreicht wurde. Im Werk, welches ehemals die Villa des Breslauer Sammlers verzierte, machte der Maler zu Lichtträger, Tüllkleider der Balletttänzerinnen, auf die sich Lichtstrahlen legen, von Scheinwerfern rundum die Bühne fallend. Dank dem Kontrast zwischen roten Rosenknospen, die das Kostüm der Solistin schmücken und ihrem dunklen Haar, sowie dank vibrierenden Flecken der Grünen und Blauen in der Tiefe, wird in jenem Pastellgemälde erstaunliche Dynamik erreicht.

Project co-financed by Ministry of Labour and Social Policy under Government Project – Civic Benefit Fund.
All information published under license: Creative Commons