November 2010: Fra Angelico "Versuchung des Hl. Antonius durch einen Klumpen Gold"

Veröffentlichungsdatum: 03 / 11 / 2010

Beitragsverfasser:
  • Magdalena Palica

Das Gemälde stellt eine Szene aus der Legende des Hl. Antonius dar, niedergeschrieben durch Hl. Athanasius und verbreitet durch die Legenda Aurea von Jakobus de Voragine. Fra Angelico schilderte den Heiligen Abt im Moment, wo er in der Wüste, durch einen Dämon verlockt wird, der sich in der Gestalt eines Klumpens Gold verhüllt hat. Jene Darstellung verbreitete sich in italienischer Tafel- und Wandmalerei, im dritten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts, anfangs als Bestandelement der Gemäldezyklen, diesem Heiligen gewidmet, später auch als eine selbständige Szene, nicht zuletzt innerhalb einer Predella, mitsamt Szenen von anderen Heiligenleben.

Jene Szene war zweifelsohne Teil einer größeren Darstellung und der Anteil der Werkstattgehilfen ist bei deren Entstehung nicht auszuschließen, wobei die Gestalt des Heiligen zweifellos von Fra Angelico eigenhändig gemalt wurde. Es sind verschiedene Datierungsvorschläge erschienen, die meisten Forscher legten die Entstehungszeit des Werkes zwischen 1435 und 1440 an, abhängig u. a. von den vorgeschlagenen Rekonstruktionen des Altarretabels, dessen Predellabestandteil gerade das besagte Gemälde gewesen wäre. Dessen hohe künstlerische Qualität, von anderen Predellabildern der rekonstruierten Altäre bedeutend abweichend, veranlasste jedoch die Forscher zu weiteren Recherchen. Eine interessante Enträtselung wurde 1996, von einer Kennerin des Fra Angelicos Schaffens, Caroline C. Wilson geliefert. Sie wies auf einen Holzschnitt, im Museo Civico in Pavia aufbewahrt, hin, der sicherlich anhand des verlorenen Werkes von Fra Angelico geschaffen worden war, mit der Gestalt des Hl. Antonius in der Mitte, umgeben von Szenen aus seinem Leben. In der Graphik hat die Szene Versuchung des Hl. Antonius durch einen Klumpen Gold, deren eindeutiges Vorbild in der besagten Tafel sowie in einem großformatigen Gemälde mit dem Heiligen in Frontalansicht (bekannt nur von einem Archivphoto), im Radierungszentrum zu sehen. Auf diesem Grund behauptete Wilson, dass die Gemälde ursprünglich eine Bildstruktur bildeten (sog. Vita Retabel), die Derjenigen aus der graphischen Kopie ähnlich war. Darstellungen dieser Art, sehr beliebt in Italien seit dem 13. Jahrhundert, bestanden aus einer ganzfigürigen Heiligengestalt, umgeben von kleinformatigen Darstellungen der Episoden aus seinem Leben.

Das Gemälde von Fra Angelico traf in der Sammlung des Grafen Gustav Adolph von Ingenheim vor 1826 ein. Gerade damals wurde es bei einer Zeitausstellung im Dresdener Palais Vitzthum, mitsamt den wertvollsten Erwerbungen des Sammlers präsentiert. In der Ausstellungsrezension, geschrieben von einem bekannten Kunstkritiker Carl August Böttiger, wurde jene Szene für eines der großartigsten damals präsentierten Kunstwerke gefunden, wobei es nicht zu vergessen ist, dass sie sich neben Werken von solchen Meistern wie Botticelli oder Taddeo Gaddi befand. Auch heute reißt jenes kleinformatige Bildchen immer die Forscher hin. Die weit entfernte toskanische Landschaft, die sich hinter dem Rücken des Heiligen erstreckt, gehört zu den schönsten, die von Fra Angelico irgendwann geschaffen worden sind.

Project co-financed by Ministry of Labour and Social Policy under Government Project – Civic Benefit Fund.
All information published under license: Creative Commons