Oktober 2010: Claude Monet "Schnee in der untergehenden Sonne"

Veröffentlichungsdatum: 02 / 10 / 2010

Beitragsverfasser:
  • Magdalena Palica

Das von Monet 1869 gemalte Bild zeigt eine Strasse in Louveciennes, mit tauenden Schneeschichten bedeckt, in denen sich die Abendsonne widerspiegelt. Der scheinbar unattraktive Blick eines kleinstädtischen schlammigen Weges verwandelte sich unter dem Pinsel des Malers in eine von Licht vibrierende Darstellung, die immer noch die Begeisterung der Betrachter genießt.

Die Schneelandschaften gehören zu den vom Künstler oft aufgegriffenen Themen. Die bekanntesten stammen aus der im letzten Dezennium des 19. Jahrhunderts entstandenen Serie mit Darstellungen von Getreideschobern, die der Maler bei unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten festhielt. Wie das am Beispiel des von Silberberg besessenen Gemälde ersichtlich ist, setzte sich der Maler schon am Anfang seines künstlerischen Weges mit der schwierigen Aufgabe, die Sonnenreflexe auf der Schneeoberfläche darzustellen, auseinander. Eine der langen, mit Bäumen gesäumten Alleen in Louveciennes, die zahlreiche andere Künstler inspirierten, verwandelte sich unter dem Pinsel von Monet in eine beinahe symbolische Landschaft, die an manche Meisterwerke Caspar David Friedrichs erinnert, in denen kleine menschliche Gestalten von den scharfen, beinahe agressiven Silhouetten blattloser Bäume dominiert wurden. Als habe der Maler, den in der winterlichen Landschaft verlorenen Figuren Mut einflößen wollen, zeigte er sie in Paaren, nicht einzeln (ähnlich wie in analogischen Bild mit Darstellung einer Strasse in Argenteuil, heute in National Gallery in London). Die Komposition ist auch vom warmen Licht der untergehenden Sonne belebt.

Der kleine Ort Louveciennes, von Paris nur eine knappe halbe Stunde Zugfahrt entfernt, wurde von den bekannten impressionistischen Malern in über hundert Bildern dargestellt. Dort befand sich das Haus der Mutter von Renoir, die der Maler oft besuchte. Um die Wende der 1860-er und 1870-er Jahre, in der für die Geburt der impressionistischen Malerei so wichtigen Zeit, wohnte dort Pissarro. In Louveciennes wirkten auch Sisley und Monet.

Das früher zu Silberberg gehörende Bild befindet sich heute im Musée des Beaux-Arts et de la Céramique in Rouen. Erwähnenswert ist, dass es im Jahre 2008 auf einer Ausstellung unter dem bezeichnenden Titel „Wem gehören diese Bilder?” (“A qui appartenaient ces tableaux?”, im Katalog auf Englisch „Looking for Owners”) ausgestellt war, die auf Initiative des französischen Aussenministeriums durch das Pariser Museum für Kunst und Geschichte des Judentums in Zusammenarbeit mit dem Israel-Museum in Jerusalem organisiert wurde. Zusammen mit der Leinwand aus der Sammlung Silberbergs wurden dort 52 Bilder aus den französischen staatlichen Sammlungen gezeigt, von denen die meisten im zweiten Weltkrieg von den Nazis geraubt wurden. Die Ausstellung setzte Schwerpunkte auf die komplizierten Schicksale der Kunstwerke, deren rechtmäßige Besitzer bis heute nicht wieder gefunden wurden oder deren rechtliche Situation unklar ist. Für den Standort der Ausstellung wurde neben Paris Jerusalem gewählt, da man auf Meldungen der rechtmäßigen Erben der exponierten Kunstwerke, deren Mehrheit ehemals zu den von jüdischen Kunstliebhabern zusammengetragenen Sammlungen gehörte, hoffte. Zu dieser Gruppe gehört auch Monets „Schnee in der untergehenden Sonne“. Das Bild wurde zwar 1932 auf einer Auktion der Kunstwerke aus der Sammlung Silberbergs im Salon von Georges Petit angeboten, es fehlen aber Informationen über seinen Verkauf. Wenn es damals seinen Besitzer nicht geändert hat, ist es sehr wahrscheinlich, dass es – wie auch die Mehrheit der Werke aus der Sammlung dieses Breslauer Industriellen – später auf einer Zwangsauktion versteigert oder beschlagnahmt wurde.

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