Johann Gustav Büsching in Lobris

Veröffentlichungsdatum: 13 / 12 / 2009

Beitragsverfasser:
  • Magdalena Palica

Der unterstehende Text entstammt einer Veröffentlichung des eminenten Breslauer Philologen und Kunstliebhabers Johann Gustav Büschings, unter dem Titel Bruchstücke einer Geschäftsreise durch Schlesien in den Jahren 1810, 11, 12, Breslau 1813, S. 62-65.

"Eine Meile von Jauer liegt das Dorf Lobris, dem Grafen von Nostitz gehörig, berühmt durch die dortige Bildergalerie und Bibliothek. Schon Naso, der 1667 eine Geschichte von Schweidnitz und Jauer schreib, wie schon oben bemerkt, erwähnt dieser Bibliothek, indem er von der Nostizschen Bibliothek spricht, die auf dem Schlosse zu Jauer befindlich aus ausgezeichnet sey, durch alte Gemälde, Münzen, Wachstafeln, Alkoran, Chinessische, Turkische und Japanische Schriften. Nachdem diese Sammlungen noch an einigen andern Orten gestanden, sind sie hierher gebracht worden. Die Gemäldegalerie ist völlig in Ordnung und befindet sich in einem geräumigen Saale. An jedem Gemälde ist eine Nummer, die auf einen Katalog deutet, der aber nicht zu erfragen war.

Gleich an Eingange fiel mir Albrecht’s Dürer Porträt auf, wohl Kopie, aber sehr gut und kenntlich gerathen, auf Holz. Darüber ein Adam und Eva, auch auf Holz und ebenfalls aus der altdeutschen Schule, mit Fleiß gearbeitet. Für eins der treflichsten Stücke halte ich die Andromeda von Willmann, eins der kunstreichsten und mir von vielen andern das liebste Gemälde dieses Künstlers [jenes Gemälde in der Národní galerie in Prag]. Mann glaubt den Pinsel eines Rubens zu sehen, es ist bei weitem ausgeführter, als die meisten seiner Gemälde, bei denen oft die letzte Hand vermisst wird, indem sie häufig nur skizzirt erscheinen. Bei diesem leichten, herrlichen Kolorit zeigt sich aber wieder eine solche Herrlichkeit der Formen, sie erschien so edel, rein und schön, das dies Gemälde gewiss einen jeden, er mag auch nicht ein Freund von Willmann seyn, zur Bewunderung reitßen muss.

Drei große Thierstücke: Ziegen und Schaafe, ein wildes Schwein und Hunde, so wie zwei kämpfende Bullen scheinen auch bemerkenswerth, unter den manchen andern, das ich, wegen Kürze der Zeit, nicht genau aufzeichnen konnte. Auch hier findet sich eine Kopie nach dem Willmann’schen Gemälde, wie Joseph den Knaben Christus küsst und die nebenstehende Maria ihr Trauben reicht, von dem oben die Rede war.

Nachst diesen enthält die Hauskapelle des Grafen noch ausgezeichnete. Vier große Bilder waren abgenommen und erst ausgebessert worden. Sie sollen der oberen Theil der gerundeter Kapelle zieren und waren: die Grablegung Christi mit dem Zeichen M W 1682, von unser berühmten Willmann. Irre ich mich nicht, so gehört dies Blatt, so wie das folgende, zu seinem Kreuzwege, von dem ich einige Stücke noch in Grüssau in der Sakristei fand. Christus niedergefallen unter dem Kreuze. [Ehemals zum aus vier Gemälden bestehenden Zyklus „Kreuzweg“ angehörig, den Willmann für die Kapelle in Lobris geschaffen hat, befinden sich heute im Nationalmuseum in Breslau. Zwei sonstige stellen den „Ersten Sturz Christi unter dem Kreuz“ und „Grablegung Christi“ dar.]. Ein Ecce Homo von einem andern Maler, in der selben Grösse, abe gewiss wohl nicht von Willmann, Kopie indessen vielleicht, wenn ich mich recht besinne auf die Anordnung des Ganzen, von einem gleichen Gemälde in Grüssau auf dem Orgelchore der Josephkirche, denselben Moment darstellend. Ein Christus am Oelberge ist durchaus nicht von Willmann, aber vielleicht auch Kopie eines gleichen Willmannschen Gemäldes.

Am Altar ist ein Christus am Kreuze von Willmann und die Evangelistenkopfe sind gleichfalls von ihm [Fünf Gemälde in jenem Satz genannt, gelten heute als verschollen]. Außerdem hängen noch mehrere große Kupferstiche dort, die man, als störend fortwünschen möchte."

Bei der Textbearbeitung wurden Materialien über die Gemälde Willmanns, von Dr. Andrzej Kozieł geliefert, verwendet.

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